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Vorkaufsrecht

Fachbegriff aus dem Bereich Recht & Verträge

Vorkaufsrecht - Das Vorkaufsrecht ist das gesetzlich oder vertraglich begründete Recht einer Person, eines Mieters oder einer Gemeinde, eine Immobilie oder ein Grundstück zu den gleichen Bedingungen zu erwerben, die ein Dritter mit dem Verkäufer bereits vereinbart hat. Es wird im Grundbuch Abteilung II eingetragen und kann den Verkaufsprozess einer Immobilie erheblich beeinflussen.

Was bedeutet Vorkaufsrecht genau?

Das Vorkaufsrecht gibt dem Berechtigten die Möglichkeit, in einen bereits abgeschlossenen Kaufvertrag zwischen Verkäufer und einem Dritten einzutreten - er kauft also zu exakt denselben Konditionen. Das Recht wird erst dann ausgelöst, wenn der Eigentümer einen wirksamen Kaufvertrag mit einem anderen Käufer abschließt. Der Vorkaufsberechtigte muss sich innerhalb einer gesetzlichen Frist von zwei Monaten entscheiden, ob er von seinem Recht Gebrauch macht.

Im deutschen Recht unterscheidet man grundsätzlich zwischen dem gesetzlichen Vorkaufsrecht und dem vertraglichen (schuldrechtlichen oder dinglichen) Vorkaufsrecht. Das vertragliche Vorkaufsrecht wird zwischen den Parteien individuell vereinbart und kann als schuldrechtliches Recht nur zwischen den Vertragsparteien wirken oder als dingliches Recht im Grundbuch Abteilung II eingetragen werden. Nur die dingliche Variante wirkt gegenüber jedem späteren Erwerber und bleibt auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen.

Besonders relevant in der Praxis sind zwei gesetzliche Vorkaufsrechte: Das kommunale Vorkaufsrecht nach § 24 BauGB erlaubt Gemeinden, Grundstücke in bestimmten Gebieten vorrangig zu erwerben - etwa in Sanierungsgebieten, Gebieten mit Bebauungsplan oder in Bereichen, die der sozialen Wohnraumversorgung dienen. Die Gemeinde muss ihr Vorkaufsrecht innerhalb von zwei Monaten nach Mitteilung des Kaufvertrags ausüben und darf es nur nutzen, wenn dies durch das Wohl der Allgemeinheit gerechtfertigt ist.

Das Mietervorkaufsrecht nach § 577 BGB entsteht automatisch, wenn eine vermietete Wohnung in Wohnungseigentum umgewandelt und anschließend an einen Dritten verkauft werden soll. Der Mieter hat dann das Recht, die Wohnung zu den Bedingungen des Kaufvertrags selbst zu erwerben. Dieses Recht kann nicht vertraglich ausgeschlossen werden und schützt Mieter vor Verdrängung durch Umwandlung in Eigentumswohnungen.

Vorkaufsrechtsverzichtserklärung und Grundbucheintragung

In der Praxis ist die Vorkaufsrechtsverzichtserklärung der Gemeinde ein zentrales Dokument bei jedem Immobilienverkauf. Der Notar ist verpflichtet, die zuständige Gemeinde über den Kaufvertrag zu informieren. Die Gemeinde prüft daraufhin, ob ein gesetzliches Vorkaufsrecht besteht, und stellt entweder eine Verzichtserklärung aus oder übt das Vorkaufsrecht aus. Ohne diese Erklärung kann der Eigentumsübergang im Grundbuch nicht vollzogen werden - sie ist also eine notwendige Voraussetzung für die Umschreibung.

Ein dingliches Vorkaufsrecht wird in Grundbuch Abteilung II (Lasten und Beschränkungen) eingetragen. Käufer sollten vor dem Erwerb einer Immobilie stets einen aktuellen Grundbuchauszug prüfen, um festzustellen, ob ein solches Recht besteht. Die Löschung eines eingetragenen Vorkaufsrechts erfordert die Bewilligung des Berechtigten in notariell beglaubigter Form.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

In der Metropolregion Nürnberg bestehen in mehreren Stadtteilen und Gemeinden städtebauliche Satzungen, die kommunale Vorkaufsrechte begründen - insbesondere in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten wie Teilen der Altstadt, Gostenhof oder St. Leonhard. Wer eine Immobilie in diesen Bereichen verkaufen möchte, muss mit einer längeren Abwicklungsdauer rechnen, bis die Vorkaufsrechtsverzichtserklärung der Stadt Nürnberg vorliegt.

Unser Experten-Netzwerk empfiehlt Verkäufern, bereits vor der Vermarktung beim zuständigen Liegenschaftsamt zu erfragen, ob für das Grundstück ein kommunales Vorkaufsrecht besteht. So lassen sich Verzögerungen im Verkaufsprozess vermeiden. Käufer sollten darauf achten, dass im Kaufvertrag eine angemessene Rücktrittsklausel für den Fall der Vorkaufsrechtsausübung durch die Gemeinde vereinbart wird.

Häufig gestellte Fragen

Kann ein Vorkaufsrecht vererbt werden?

Ein schuldrechtliches Vorkaufsrecht ist grundsätzlich nicht vererblich und nicht übertragbar, es sei denn, die Vererblichkeit wurde ausdrücklich vereinbart. Ein dingliches Vorkaufsrecht hingegen ist an das Grundstück gebunden und geht mit dem Eigentum am begünstigten Grundstück auf den jeweiligen Eigentümer über. Das gesetzliche Mietervorkaufsrecht nach § 577 BGB steht ausschließlich dem aktuellen Mieter zu und ist nicht übertragbar.

Wie lange dauert die Prüfung des kommunalen Vorkaufsrechts?

Die Gemeinde hat nach Zugang der Mitteilung durch den Notar zwei Monate Zeit, um über die Ausübung des Vorkaufsrechts zu entscheiden. In der Praxis stellen viele Kommunen in der Metropolregion Nürnberg die Verzichtserklärung innerhalb von zwei bis vier Wochen aus. Bei komplexen städtebaulichen Sachverhalten oder wenn eine Gremienbefassung erforderlich ist, kann die Frist jedoch voll ausgeschöpft werden.

Was passiert, wenn der Verkäufer das Vorkaufsrecht ignoriert?

Ein Verkauf unter Missachtung eines dinglichen Vorkaufsrechts ist rechtlich unwirksam gegenüber dem Berechtigten - der Käufer kann nicht als Eigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Bei einem schuldrechtlichen Vorkaufsrecht kann der Berechtigte Schadensersatzansprüche gegen den Verkäufer geltend machen. Wird das kommunale Vorkaufsrecht übergangen, verweigert das Grundbuchamt die Eigentumsumschreibung, da die Verzichtserklärung der Gemeinde fehlt.

Vorkaufsrecht und Bauleitplanung in Nürnberg

Die Stadt Nürnberg verfügt in einigen Stadtgebieten über weitreichende kommunale Vorkaufsrechte nach §§ 24-26 BauGB. In förmlich festgelegten Sanierungsgebieten (u. a. Teile der Altstadt, Gostenhof und Röthenbach West) ist das Vorkaufsrecht besonders aktiv. Käufer solcher Objekte müssen einkalkulieren, dass die Kaufabwicklung bis zur Verzichtserklärung der Stadt mehrere Wochen dauern kann. In seltenen Fällen macht die Stadt tatsächlich von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch - meist dann, wenn ein Grundstück für kommunale Infrastruktur, Wohnungsbau oder Nachverdichtung strategisch bedeutsam ist.

Für Investoren und Käufer in Nürnberg gilt: Informieren Sie sich vor Abschluss des Kaufvertrags beim Stadtplanungsamt Nürnberg oder über das öffentlich einsehbare Sanierungsgebiets-GIS, ob das Grundstück in einer vorkaufsrechtlich relevanten Zone liegt. Wer ein Objekt in einem Sanierungsgebiet kauft, ohne dies zu wissen, riskiert eine Verzögerung oder - im Extremfall - die Ausübung des Vorkaufsrechts durch die Gemeinde.

Welchen Einfluss hat das Mietervorkaufsrecht auf den Wohnungsverkauf?

In der Praxis beeinflusst das Mietervorkaufsrecht nach § 577 BGB den Verkaufsprozess von umgewandelten Eigentumswohnungen erheblich. Der Mieter muss über den Kaufvertrag informiert werden und erhält dann zwei Monate Zeit zur Entscheidung. Während dieser Frist ist der Vertrag schwebend wirksam. Zieht der Mieter sein Vorkaufsrecht und kauft die Wohnung, erlischt der Vertrag mit dem ursprünglichen Käufer. In Nürnberg, wo viele ältere Mietshäuser in Wohnungseigentum umgewandelt werden, ist das Mietervorkaufsrecht ein häufiges Thema im Verkaufsprozess, das wir für unsere Kunden sorgfältig koordinieren.

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