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Tragfähigkeit (Finanzierung) - Die Tragfähigkeit einer Immobilienfinanzierung bezeichnet die Fähigkeit des Kreditnehmers, die laufende Belastung aus Zins und Tilgung dauerhaft aus seinem Einkommen zu bedienen - nicht nur heute, sondern auch bei veränderten Lebensumständen und über die gesamte Laufzeit des Darlehens. Banken prüfen die Tragfähigkeit im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung (§ 18a KWG) und berechnen, ob das Haushaltseinkommen nach Abzug aller Lebenshaltungskosten und sonstigen Verbindlichkeiten die Darlehensrate dauerhaft tragen kann.
Banken berechnen die Tragfähigkeit anhand einer Haushaltsrechnung. Der Rechenweg:
Als Faustregel gilt: Die monatliche Gesamtbelastung aus Darlehensrate und Wohnnebenkosten sollte 35-40 % des monatlichen Nettoeinkommens nicht übersteigen. Bei einem Nettoeinkommen von 4.500 Euro/Monat wären das maximal 1.575-1.800 Euro für Zins und Tilgung. Daraus ergibt sich bei 3,5 % Zins und 2 % Tilgung eine maximale Darlehenssumme von ca. 290.000-330.000 Euro.
Seit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (2016) sind Banken gesetzlich verpflichtet, die Tragfähigkeit nicht nur zu den aktuellen Konditionen, sondern auch unter Stressszenarien zu prüfen. Der Hintergrund: Eine Finanzierung, die heute tragfähig ist, kann nach Ablauf der Zinsbindung unerschwinglich werden, wenn die Zinsen gestiegen sind.
Banken berechnen die Rate mit einem Stresszinssatz - aktuell meist 6-7 % - und prüfen, ob der Haushalt auch bei diesem Zinsniveau noch die Finanzierung tragen könnte. Bei einem Darlehen von 300.000 Euro und einem Stresszins von 6 % wäre die monatliche Rate (bei 2 % Tilgung) ca. 2.000 Euro - liegt das über 40 % des Haushaltsnettoeinkommens, reduziert die Bank die maximale Darlehenssumme oder fordert höheres Eigenkapital.
Diese Stresstest-Anforderung führt dazu, dass viele Käufer weniger Kredit bekommen als erwartet - insbesondere in Hochpreisregionen wie Nürnberg, wo die Kaufpreise der letzten Jahre die Tragfähigkeitsrechnung für viele Haushalte an die Grenze gebracht haben.
Für Selbstständige und Freiberufler ist die Tragfähigkeitsprüfung anspruchsvoller, weil das Einkommen schwankt. Banken berechnen das anrechenbare Einkommen in der Regel als Durchschnitt der letzten zwei bis drei Steuerjahre - schlechte Jahre senken die anrechenbare Einkommensbasis. Außerdem verlangen viele Banken zusätzliche Sicherheiten oder einen höheren Eigenkapitalanteil.
Wir empfehlen Selbstständigen, frühzeitig mit mehreren Banken und unabhängigen Finanzierungsberatern zu sprechen, da die Bewertung des selbstständigen Einkommens von Institut zu Institut erheblich variiert.
Wir empfehlen Kaufinteressenten in der Metropolregion Nürnberg, die eigene Tragfähigkeit vor der Objektsuche realistisch zu berechnen - nicht erst, wenn das Traumobjekt gefunden ist. Erstellen Sie eine ehrliche Haushaltsrechnung mit allen laufenden Kosten und rechnen Sie mit einem Sicherheitspuffer von 10-15 % unter dem maximal tragbaren Betrag. Dieser Puffer ist für unvorhergesehene Ausgaben, Renovierungen, vorübergehenden Leerstand bei Vermietung und Lebensstilveränderungen (Kindeswunsch, Pflegepflichten, Jobwechsel) unerlässlich.
Bei einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen in Nürnberg von ca. 3.500-4.500 Euro ergibt sich eine maximale Rate von ca. 1.200-1.600 Euro - das entspricht bei aktuellen Zinsen und 2 % Tilgung einer Darlehenssumme von ca. 220.000-290.000 Euro. Passen Sie Ihre Objektsuche von Anfang an an diese Realität an, statt sich vom Traumobjekt zur finanziell riskanten Überfinanzierung verleiten zu lassen.
Als Faustregel gelten 35-40 % des monatlichen Nettoeinkommens als maximale Belastung für Wohnkosten inkl. Nebenkosten. Konservativere Berechnungen empfehlen 30 %, um ausreichend Spielraum für Sparen, unvorhergesehene Ausgaben und Lebensstilveränderungen zu behalten. In Hochpreisregionen akzeptieren einzelne Banken bei sehr hohem und stabilem Einkommen (Beamte, Ärzte, Führungskräfte) bis zu 45 %. Wichtig: Rechnen Sie stets die Gesamtbelastung - also Darlehensrate plus Nebenkosten (ca. 2-4 Euro/m² Wohnfläche/Monat) plus Instandhaltungsrücklage.
Wenn die gewünschte Finanzierung die Tragfähigkeit übersteigt, gibt es mehrere realistische Optionen: Mehr Eigenkapital einbringen (senkt Darlehenssumme und Rate), günstigeres Objekt suchen oder zunächst in einer weniger zentralen Lage kaufen, zweiten Kreditnehmer einbeziehen (Partner, Lebenspartner), staatliche Förderungen nutzen (KfW-Förderdarlehen zu günstigeren Konditionen, BEG-Förderprogramme bei energetisch sanierungswürdigen Objekten) oder Tilgungssatz reduzieren auf 1,5-2 % (erhöht die Tragfähigkeit, verlängert aber die Laufzeit und birgt Prolongationsrisiken).
Ja, bei vermieteten Immobilien berücksichtigen Banken die Mieteinnahmen in der Tragfähigkeitsrechnung, allerdings mit einem Sicherheitsabschlag von 20-30 % (für Leerstand, Mietausfall, nicht umlagefähige Reparaturkosten, Verwaltungsaufwand). Von einer erwarteten Kaltmiete von 1.000 Euro rechnet die Bank also nur mit 700-800 Euro als anrechenbares Einkommen. Die Differenz zwischen Darlehensrate und anrechenbarer Miete muss aus dem sonstigen Haushaltseinkommen tragbar sein. Bei gut vermieteten Objekten in Nürnberger Lagen mit stabiler Mietnachfrage sind die Abschläge gerechtfertigt, aber eher konservativ - in der Praxis werden die meisten gut liegenden Objekte ohne Leerstand bewirtschaftet.
Ein häufig unterschätztes Risiko bei der Tragfähigkeitsprüfung ist das Prolongationsrisiko: Wer heute eine Immobilie mit zehnjähriger Zinsbindung finanziert, muss nach Ablauf der Bindungsfrist zu den dann geltenden Marktzinsen prolongieren. Eine Finanzierung, die heute bei 3,5 % Zins und 2 % Tilgung knapp tragfähig ist, kann bei einem Prolongationszins von 5-6 % die Tragfähigkeitsgrenze übersteigen. Wir empfehlen deshalb, bei der Kaufentscheidung ein Prolongationsszenario mit 5,5 % Zins durchzurechnen und zu prüfen, ob die Rate dann noch aus dem Haushaltseinkommen tragbar wäre.
Für Nürnberger Käufer mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro bedeutet ein Prolongationszins von 5,5 % bei einem Darlehen von 280.000 Euro (2 % Tilgung) eine monatliche Rate von rund 2.217 Euro - das entspricht 55 % des Nettoeinkommens, was deutlich über der Tragfähigkeitsgrenze liegt. Wer dieses Risiko frühzeitig erkennt, kann gegensteuern: durch höhere anfängliche Tilgung (um die Restschuld zur Prolongation zu reduzieren), durch Sondertilgungsoptionen oder durch eine längere Zinsbindung (15-20 Jahre), die das Prolongationsrisiko auf später verschiebt.
Die Tragfähigkeitsprüfung variiert von Bank zu Bank erheblich - sowohl in der Methodik als auch in der Risikobereitschaft. Sparkasse Nürnberg, Volksbank Raiffeisenbank Nürnberg und regionale Privatbanken wenden teils andere Pauschalbeträge für Lebenshaltungskosten und andere Bewertungsmaßstäbe für Selbstständige an als große Direktbanken. Unabhängige Finanzierungsvermittler, die Zugang zu mehreren Instituten haben, können im Vergleich herausfinden, welche Bank für das jeweilige Einkommens- und Bonitätsprofil die günstigsten Konditionen und die größte Flexibilität bietet. Wir kooperieren mit geprüften Finanzierungsberatern in der Metropolregion und stellen gerne den Kontakt her.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.
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