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Geothermie

Fachbegriff aus dem Bereich Bautechnik & Sanierung

Geothermie bezeichnet die Nutzung der im Erdinnern gespeicherten Wärme zur Beheizung, Kühlung oder Stromerzeugung. Im Wohnungsbau spricht man von oberflächennaher Geothermie, wenn Wärme aus den oberen 400 Metern des Erdreichs gewonnen wird - typischerweise über Erdwärmepumpen mit Erdsonden oder Flächenkollektoren. Im Gegensatz zu Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten Erdwärmepumpen nahezu ganzjährig auf konstantem Temperaturniveau und erzielen daher sehr hohe Jahresarbeitszahlen (JAZ).

Technische Varianten: Erdsonde, Flächenkollektor und Grundwasser

Bei der Erdwärmesonde wird ein Rohr in eine Bohrung von 50 bis 200 Metern Tiefe eingebracht und von einer Sole durchflossen. Dieses System benötigt wenig Grundfläche und ist besonders für bebaute Grundstücke geeignet. Der Flächenkollektor verlegt horizontal Rohre in etwa 1-1,5 Metern Tiefe; er erfordert eine große unversiegelte Fläche, ist aber günstiger zu installieren. Die Grundwassernutzung (offene Systeme) zapft direkt das Grundwasser an und arbeitet besonders effizient - erfordert aber wasserrechtliche Erlaubnisse und geeignete hydrogeologische Bedingungen.

Die technischen Unterschiede im Überblick:

VarianteTiefeFlächenbedarfInvestitionJAZ (typisch)
Erdwärmesonde50-200 mGeringHoch4,0-5,5
Flächenkollektor1-1,5 mHoch (1,5 × Wohnfläche)Mittel3,5-4,5
GrundwassersystemBrunnen bis 30 mGeringMittel5,0-7,0
Luft-Wasser-Pumpe-KeinerGering2,5-4,0

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme pro Kilowattstunde Strom erzeugt werden. Je höher die JAZ, desto effizienter und kostengünstiger der Betrieb.

Genehmigung und rechtliche Rahmenbedingungen

Erdwärmesonden sind wasserrechtlich genehmigungspflichtig. In Bayern stellt das Landratsamt oder die kreisfreie Stadt die Erlaubnis aus; im Nürnberger Stadtgebiet ist das Umweltamt zuständig. Entscheidend ist die Einstufung des Standorts nach dem Geothermischen Informationssystem (GeotIS) und dem bayerischen Geothermie-Atlas: In manchen Gebieten mit Karstgrundwasser oder Altlasten können Bohrgenehmigungen versagt werden. Eine vorangehende hydrogeologische Kurzstellungnahme schafft Planungssicherheit.

Für Flächenkollektoren ist in Bayern in der Regel keine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich, sofern das System geschlossen ist und die Sole keine gefährlichen Substanzen enthält. Dennoch muss der Einbau durch einen zertifizierten Fachbetrieb erfolgen.

Wirtschaftlichkeit und Förderung

Die Investitionskosten für eine Erdwärmeanlage liegen typischerweise 30-60 % über denen einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, die laufenden Betriebskosten sind jedoch deutlich niedriger. Eine Erdwärmesonde für ein Einfamilienhaus kostet inklusive Bohrung und Wärmepumpe typischerweise 25.000 bis 45.000 Euro; eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hingegen 12.000 bis 25.000 Euro. Der Mehraufwand amortisiert sich über niedrigere Stromkosten in 7 bis 15 Jahren, je nach Strompreisentwicklung.

Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) werden Wärmepumpen mit Erdwärmenutzung derzeit mit bis zu 35 Prozent der förderfähigen Investitionskosten bezuschusst (plus eventuellem Klimabonus). Ergänzend bieten bayerische Förderprogramme und KfW-Kredite weitere Finanzierungsoptionen.

Geothermie als Beitrag zur Energiewende

Im Kontext des GEG (Gebäudeenergiegesetz) und der 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht ist die Geothermie eine der technisch elegantesten Lösungen: Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärmenutzung erfüllt die GEG-Anforderungen problemlos und kann in der Regel auch ohne weitere Hybridisierung betrieben werden. Für Neubauten und umfassend sanierte Bestandsgebäude mit modernem Wärmeverteilsystem (Fußbodenheizung, Niedertemperaturaußenwandheizung) ist die Erdwärmepumpe langfristig oft die wirtschaftlichste Lösung.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

Der Untergrund der Metropolregion Nürnberg besteht überwiegend aus Sandsteinen des Mittleren Keupers und Jura-Kalksteinen. Erdwärmesonden sind in weiten Teilen des Stadtgebiets grundsätzlich möglich, müssen aber individuell genehmigt werden. Wir empfehlen Bauherren, frühzeitig beim Umweltamt Nürnberg eine Voranfrage zu stellen und einen zertifizierten Geothermie-Fachbetrieb mit Erfahrung in der Franken-Region einzubeziehen. Besonders in Neubaugebieten rund um Nürnberg (z. B. Erlangen-Tennenlohe, Schwabach-Nord) sind Erdsonden-Heizungen bereits vielfach erfolgreich realisiert.

Bei Bestandsgebäuden in Nürnberg sollte geprüft werden, ob der vorhandene Heizkörper-Vorlauf mit einer Wärmepumpe kompatibel ist: Erdwärmepumpen arbeiten mit Vorlauftemperaturen von 35 bis 45 Grad Celsius effizient - ältere Radiatoren-Heizungen hingegen benötigen oft 65 bis 70 Grad. Eine Kombination aus Erdwärmepumpe und Heizkörper-Erneuerung (oder Ergänzung durch Fußbodenheizung im Erdgeschoss) ist häufig wirtschaftlich sinnvoll.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange hält eine Erdwärmeanlage?

Erdwärmesonden haben eine technische Lebensdauer von 50 Jahren und mehr. Die Wärmepumpe selbst muss typischerweise nach 15-20 Jahren erneuert werden, während die Sonden im Boden verbleiben.

Kann ich mit Geothermie auch kühlen?

Ja. Viele Erdwärmepumpen bieten eine passive oder aktive Kühlfunktion (Natural Cooling). Im Sommer wird die Wärme aus dem Gebäude direkt über die Sonde an das Erdreich abgegeben - besonders wirtschaftlich, da kein zusätzlicher Kompressionsbetrieb nötig ist.

Brauche ich für eine Erdsonde eine Baugenehmigung?

Erdwärmesonden benötigen in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem Bayerischen Wassergesetz, keine Baugenehmigung. Für den Bohrbetrieb selbst ist jedoch ein zugelassener Bohrfachbetrieb vorgeschrieben.

Was kostet eine Erdwärmesonde für ein typisches Einfamilienhaus in Nürnberg?

Die Bohrkosten liegen in der Region typischerweise bei 50 bis 80 Euro pro Bohrmeter, für ein 130-m²-Einfamilienhaus mit 10 kW Heizlast braucht man in der Regel eine 100-Meter-Sonde - das entspricht 5.000 bis 8.000 Euro für die Bohrung allein. Hinzu kommen Installationskosten und die Wärmepumpe selbst (ca. 15.000 bis 25.000 Euro), sodass sich Gesamtinvestitionskosten von 25.000 bis 40.000 Euro ergeben - abzüglich der BAFA-Förderung.

Geothermie und Immobilienwert

Eine installierte Erdwärmeanlage wirkt sich positiv auf den Immobilienwert aus - sowohl bei der Bewertung als auch bei der Vermarktung. Im Energieausweis führt eine Erdwärmepumpe in der Regel zu einem deutlich besseren Energieeffizienzklassen-Ergebnis (Klasse A oder A+), was den Marktwert der Immobilie unmittelbar beeinflusst. Käufer honorieren niedrige Betriebskosten und eine moderne, klimafreundliche Heizungslösung zunehmend mit einem Preisaufschlag gegenüber vergleichbaren Objekten mit Öl- oder Gasheizung.

In der Metropolregion Nürnberg beobachten wir, dass gut ausgestattete Einfamilienhäuser mit Erdwärmepumpe, Photovoltaik und Fußbodenheizung bei vergleichbarer Lage und Größe Kaufpreisaufschläge von fünf bis fünfzehn Prozent gegenüber konventionell beheizten Objekten erzielen können. Für Eigentümer, die ihren Energiestandard vor einem Verkauf verbessern möchten, lohnt sich daher die Kalkulation: Lassen sich Investitionen von 25.000 bis 40.000 Euro für eine Erdwärmeanlage durch einen Wertzuwachs von 40.000 bis 80.000 Euro beim Verkaufspreis übertreffen, ergibt sich ein attraktives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wir unterstützen Eigentümer in der Region bei dieser Einschätzung und vermitteln zertifizierte Energieberater für eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

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