Telefon
Direkt mit einem Experten sprechen.
Anrufen - 0911 / 88 18 73 80Fachbegriff aus dem Bereich Steuern & Finanzen
Die Mehrwertsteuer-Option (auch: Umsatzsteuer-Option) bezeichnet das Recht eines Vermieters oder Verkäufers von Immobilien, eine grundsätzlich steuerfreie Leistung freiwillig der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Relevant ist dies vor allem bei der Vermietung von Gewerbeimmobilien: Da die Vermietung nach § 4 Nr. 12 UStG grundsätzlich umsatzsteuerfrei ist, kann der Vermieter nur dann Vorsteuer aus Bau- und Modernisierungskosten geltend machen, wenn er zur Umsatzsteuer optiert. Die Option bindet jedoch beide Seiten und hat weitreichende steuerliche Konsequenzen.
Die Option zur Umsatzsteuer ist nur möglich, wenn der Mieter (oder Käufer) selbst zum Vorsteuerabzug berechtigt ist - also ein umsatzsteuerpflichtiges Unternehmen ist. Vermietet ein Eigentümer beispielsweise Büroflächen an eine GmbH, die steuerpflichtige Umsätze tätigt, kann er optieren. Nicht möglich ist die Option bei Vermietung an Ärzte, Versicherungen, Banken oder private Mieter, da diese nicht oder nur teilweise vorsteuerabzugsberechtigt sind.
Formell muss die Option gegenüber dem Finanzamt erklärt werden - in der Praxis geschieht das durch die entsprechende Abbildung in der Umsatzsteuervoranmeldung und der Jahreserklärung. Ein separates Antragsformular ist nicht vorgesehen; die faktische Ausübung durch Ausweisen der Umsatzsteuer auf der Rechnung gilt als konkludente Optionserklärung. Wir empfehlen dennoch, die Entscheidung schriftlich zu dokumentieren und steuerrechtlich begleiten zu lassen.
Der Hauptvorteil liegt im Vorsteuerabzug: Wer optiert, kann die im Zusammenhang mit der Immobilie angefallene Umsatzsteuer auf Baukosten, Sanierungen und laufende Betriebskosten vom Finanzamt zurückfordern. Das kann bei größeren Gewerbeimmobilien erhebliche Beträge ausmachen. Beispiel: Eine Büroflächensanierung mit Nettokosten von 400.000 Euro generiert 76.000 Euro Vorsteuer, die bei optierter Vermietung erstattet werden.
Das Risiko: Wechselt der Mieter und ist der neue Mieter nicht vorsteuerabzugsberechtigt, entfällt die Option - mit der Folge einer Vorsteuerkorrektur über bis zu zehn Jahre (§ 15a UStG). Diese Korrektur kann sehr teuer werden. Konkret: Bei einem Mieterwechsel im fünften Jahr der zehnjährigen Berichtigungspflicht müssen 50 Prozent der ursprünglich erstatteten Vorsteuer zurückgezahlt werden. Bei 76.000 Euro erstatteter Vorsteuer wären das 38.000 Euro zurückzuzahlende Steuer - zuzüglich Zinsen.
Auch beim Verkauf einer Immobilie kann der Verkäufer unter bestimmten Voraussetzungen zur Umsatzsteuer optieren (§ 9 UStG). Dies setzt voraus, dass die Immobilie an einen Unternehmer für unternehmerische Zwecke geliefert wird. Der Vorteil: Umsatzsteueroptimierte Transaktionsstrukturen können Vorsteuerberichtigungen vermeiden, wenn der Käufer das Objekt ebenfalls optiert weitervermietet. In solchen Fällen wird der Kauf als Geschäftsveräußerung im Ganzen (§ 1 Abs. 1a UStG) behandelt, was Umsatzsteuer vollständig vermeidet und auch die Grunderwerbsteuer in bestimmten Konstellationen reduziert.
Solche Gestaltungen sind komplex und setzen voraus, dass beide Parteien umsatzsteuerlich registriert sind und das Objekt identisch weitergeführt wird. Sie sollten stets mit einem auf Immobiliensteuerrecht spezialisierten Steuerberater abgestimmt werden, da Fehler in diesem Bereich erhebliche Nachzahlungsrisiken erzeugen.
In Nürnberg und der Metropolregion sind gemischt genutzte Objekte - Erdgeschoss Gewerbe, Obergeschosse Wohnen - weit verbreitet. Hier ist größte Vorsicht geboten: Die Umsatzsteuer-Option kann nur für den gewerblichen Teil erklärt werden, nicht für die Wohneinheiten. Eine fehlerhafte Aufteilung kann zu Nachzahlungen und Strafzinsen führen.
Besonders in den Nürnberger Innenstadtlagen und entlang der Einkaufsachsen - etwa in der Karolinenstraße, im Gostenhof oder im Aufseßplatz-Viertel - finden sich Ladeneinheiten mit Wohnungen darüber, die steuerlich sorgfältig getrennt behandelt werden müssen. Wir empfehlen vor jedem Erwerb oder jeder Vermietungsoptionierung eines Gewerbeobjekts in der Region ein Gespräch mit einem auf Immobilien spezialisierten Steuerberater.
Ja, die Option wird durch den Vermieter schriftlich erklärt und muss in den Umsatzsteuervoranmeldungen bzw. der Jahreserklärung entsprechend abgebildet werden. Ein formloses Schreiben an das Finanzamt reicht nicht - die Besteuerungskonsequenzen müssen konsequent umgesetzt werden.
Ein Widerruf der Option ist unter strengen Voraussetzungen möglich, führt aber regelmäßig zu einer Vorsteuerberichtigung. Im Regelfall ist die Option langfristig bindend, weshalb eine sorgfältige Vorabprüfung unverzichtbar ist.
Steht der optierte Gewerberaum leer, sind die steuerlichen Folgen komplex: Der Leerstand muss zeitnah mit der nachgewiesenen Absicht der optierten Wiedervermietung begründet sein, sonst drohen Vorsteuerkürzungen. Auch hier ist steuerrechtliche Begleitung unbedingt empfehlenswert.
Nein. Wohnraum ist zwingend von der Umsatzsteuer befreit - eine Option ist hier gesetzlich ausgeschlossen. Auch bei Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb bleibt die Hauptregel der Umsatzsteuerbefreiung in der Regel bestehen, soweit keine gewerbliche Beherbergung vorliegt. Die Abgrenzung zwischen privater Zimmervermietung und gewerblichem Beherbergungsgewerbe ist im Einzelfall steuerrechtlich zu prüfen.
Kauft ein Unternehmen eine Gewerbeimmobilie, kann die Option zur Umsatzsteuer beim Verkauf erhebliche Auswirkungen auf die Strukturierung der Transaktion haben. Wenn Verkäufer und Käufer beide zur Umsatzsteuer optieren und das Objekt als Geschäftsveräußerung im Ganzen (§ 1 Abs. 1a UStG) qualifiziert wird, fällt keine Umsatzsteuer auf den Kaufpreis an - mit dem Vorteil, dass weder Verkäufer noch Käufer eine Liquiditätsspitze durch Umsatzsteuervorfinanzierung haben. Diese Gestaltung ist in der gewerblichen Immobilientransaktion gängige Praxis, muss aber vorab von beiden Seiten mit dem jeweiligen Steuerberater abgestimmt werden.
Die zehnjährige Berichtigungspflicht nach § 15a UStG ist für Eigentümer von optierten Gewerbeimmobilien eines der größten steuerlichen Risiken. Ändert sich innerhalb von zehn Jahren nach der erstmaligen Verwendung die Nutzungsabsicht oder die Mieterstruktur - etwa weil der Gewerberaum nun an einen nicht vorsteuerabzugsberechtigten Arzt vermietet wird -, muss für jeden verbleibenden Berichtigungszeitraum ein anteiliger Betrag der ursprünglich erstatteten Vorsteuer zurückgezahlt werden. Für Eigentümer in Nürnberg mit gemischt genutzten Stadtgebäuden - zum Beispiel Erdgeschoss Apotheke (teilweise vorsteuerabzugsberechtigt), Obergeschoss Ärztezentrum (nicht vorsteuerabzugsberechtigt) - ist eine laufende Überwachung der Mieterstruktur im Hinblick auf die Vorsteuerkorrektur unbedingt notwendig. Wir empfehlen, dieses Risiko bei jedem Mieterwechsel in einer optierten Einheit aktiv zu überprüfen.
Zurück zum Immobilien-Lexikon.
Sie möchten den Wert Ihrer Immobilie wissen?
Ermitteln Sie in 2 Minuten den realen Marktwert - kostenfrei und unverbindlich.
Fachlich geprüft von der myhome-Redaktion
Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
Wichtiger Hinweis zum Haftungsausschluss
Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.
Erhalten Sie eine kostenfreie und unverbindliche Einschätzung - persönlich oder online.
Wir sind dort, wo Ihre Immobilie ist - in der gesamten Metropolregion
Um Ihnen maximale Geschwindigkeit bei der Wertermittlung und Vermarktung zu garantieren, haben wir unsere Prozesse voll digitalisiert. Wir beraten Sie exklusiv und persönlich per Telefon oder Video-Call. Besichtigungstermine und Vor-Ort-Termine an Ihrer Immobilie finden selbstverständlich weiterhin persönlich statt. Besuche in unserer Zentrale in der Weißenburger Str. nur nach vorheriger Terminvereinbarung.
Direkt mit einem Experten sprechen.
Anrufen - 0911 / 88 18 73 80Schicken Sie uns Ihr Anliegen gerne per WhatsApp.
WhatsApp-NachrichtWir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.