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Schrottimmobilie

Fachbegriff aus dem Bereich Spezialimmobilien

Schrottimmobilie - Als Schrottimmobilie wird eine Immobilie bezeichnet, die zu einem überhöhten Preis - oft an unerfahrene Käufer - verkauft wurde und deren tatsächlicher Wert deutlich unter dem Kaufpreis liegt. Typisch sind minderwertige Substanz, schlechte Lage, hoher Sanierungsbedarf und geringe Mieteinnahmen. Der Begriff wurde durch zahlreiche Betrugsskandale in den 1990er- und 2000er-Jahren geprägt, bei denen Anleger mit falschen Renditeversprechen und überteuerten Eigentumswohnungen in B- und C-Lagen gelockt wurden.

Typische Merkmale einer Schrottimmobilie

Schrottimmobilien weisen mehrere dieser Merkmale auf: Kaufpreis deutlich über dem Verkehrswert (oft 30-50 % überteuert), schlechte Lage (strukturschwache Gebiete, hoher Leerstand), mangelhafter Bauzustand (Sanierungsbedarf wurde verschwiegen oder unterschätzt), unrealistische Mietversprechen (im Exposé versprochene Mieten werden nie erreicht), hohe Nebenkosten (Sonderumlagen, Verwaltungskosten), und aggressive Vertriebsmethoden (Drückerkolonnen, Haustürgeschäfte, Strukturvertrieb). In vielen Fällen waren Banken, Vertriebe und Gutachter in ein System eingebunden, das systematisch überhöhte Werte bescheinigte.

Das Muster der klassischen Schrottimmobilie folgt einer bekannten Dramaturgie: Ein Strukturvertrieb spricht potenzielle Käufer gezielt auf Messen, am Telefon oder im persönlichen Umfeld an. Der Kaufpreis wird mit Steuersparvorteilen und einer garantierten Mietrendite von 5-7 % gerechtfertigt. Die versprochene Mietgarantie gilt jedoch nur für wenige Jahre und wird durch eine Eigengesellschaft des Vertriebs gewährt - die häufig insolvent wird, sobald die Garantiefrist endet. Zurück bleibt der Käufer mit einem überteuerten Objekt, einer Niedrigmiete und einem laufenden Kredit.

Rechtliche Möglichkeiten für Betroffene

Käufer von Schrottimmobilien haben verschiedene Rechtsmittel: Schadensersatz gegen den Verkäufer wegen arglistiger Täuschung (§ 123 BGB) - Verjährung 3 Jahre ab Kenntnis. Prospekthaftung bei Fondsbeteiligungen (§ 20 VermAnlG). Haftung der finanzierenden Bank wegen Aufklärungspflichtverletzung - insbesondere wenn die Bank über einen institutionalisierten Wissensvorsprung verfügte (z. B. Kenntnis der Überteuerung). Widerruf des Darlehensvertrags bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung (Widerrufsjoker). Die BGH-Rechtsprechung hat in zahlreichen Urteilen die Rechte geschädigter Anleger gestärkt.

Die Verjährungsfristen sind für Betroffene ein kritischer Faktor. Schadensersatzansprüche wegen Aufklärungspflichtverletzung verjähren gemäß § 199 BGB drei Jahre nach Kenntnis oder grob fahrlässiger Unkenntnis - spätestens jedoch 10 Jahre nach dem schädigenden Ereignis. Wer den Verdacht hat, eine Schrottimmobilie erworben zu haben, sollte anwaltliche Beratung nicht verzögern. Bewährt hat sich die Beauftragung eines auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalts, der sowohl die Ansprüche gegen den Vertrieb als auch gegen die Bank prüft.

Was Betroffene konkret tun sollten

Wer vermutet, eine Schrottimmobilie gekauft zu haben, sollte folgende Schritte unternehmen: Zunächst alle Unterlagen sichern - Kaufvertrag, Prospekte, E-Mails, Kreditvertrag und Korrespondenz mit dem Vertrieb. Danach einen Verkehrswertgutachter beauftragen, der den tatsächlichen Wert der Immobilie unabhängig ermittelt. Liegt der Verkehrswert um mehr als 20-25 % unter dem Kaufpreis, bestehen gute Chancen für eine Haftungsklage. Anschließend einen Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Bank- oder Kapitalanlagerecht konsultieren. Viele Rechtsanwälte bieten bei klarer Sachlage eine erfolgsbasierte Vergütung an.

Wer sich in einer Eigentümergemeinschaft mit anderen Schrottimmobilien-Käufern befindet, sollte sich mit diesen zusammentun. Gemeinschaftliche Klagen sind oft effizienter und kostengünstiger; zudem kann ein gemeinsames Vorgehen die Verhandlungsposition gegenüber Bank und Vertrieb deutlich stärken.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg

Wir empfehlen Kaufinteressenten in der Metropolregion Nürnberg, sich vor dem Erwerb einer Kapitalanlage-Immobilie gegen Schrottimmobilien zu schützen: Lassen Sie den Wert unabhängig durch einen Sachverständigen oder erfahrenen Makler einschätzen - nicht durch den Verkäufer oder dessen Gutachter. Vergleichen Sie die versprochenen Mieteinnahmen mit dem örtlichen Mietspiegel. Prüfen Sie das Protokoll der letzten Eigentümerversammlungen auf anstehende Sonderumlagen und Sanierungen. Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die per Kaltakquise, auf Messen oder über Strukturvertriebe angeboten werden. In Nürnberg waren in der Vergangenheit insbesondere Objekte in Langwasser-Süd, Schweinau und peripheren Randlagen betroffen.

Wer bereits eine verdächtige Immobilie besitzt, kann uns kontaktieren - wir bieten eine unverbindliche Marktwerteinschätzung an und können einschätzen, wie weit der damalige Kaufpreis vom aktuellen Marktwert abweicht. Darüber hinaus vermitteln wir Kontakte zu in der Region tätigen Anwälten, die auf Kapitalanlage- und Bankrecht spezialisiert sind.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich eine Schrottimmobilie vor dem Kauf?

Warnsignale sind: Der Verkäufer oder Vertrieb drängt auf schnelle Unterschrift ohne Bedenkzeit. Die Renditeberechnung basiert auf unrealistisch hohen Mieten. Der Kaufpreis liegt deutlich über dem Bodenrichtwert plus realistischem Gebäudewert. Es gibt keinen unabhängigen Gutachter - nur einen vom Verkäufer beauftragten. Die Finanzierung wird „aus einer Hand” mitarrangiert. Bei Besichtigung zeigt sich ein schlechter Zustand des Gebäudes (veraltete Heizung, Feuchtigkeit, Leerstand im Haus). Grundregel: Je mehr Druck, desto größer die Vorsicht.

Kann ich eine Schrottimmobilie noch loswerden?

Das kommt auf die Lage und den Zustand an. In guten Lagen kann auch eine überteuert gekaufte Immobilie durch Wertsteigerung über die Jahre den Verlust aufholen. In schlechten Lagen bleibt oft nur der Verkauf unter dem damaligen Kaufpreis - teilweise deutlich. Alternativ kann die Immobilie saniert und aufgewertet werden, um die Mieteinnahmen zu steigern. In extremen Fällen (Leerstand, hohe Nebenkosten, negative Rendite) kann eine Zwangsversteigerung die letzte Option sein, um laufende Verluste zu stoppen. Lassen Sie sich anwaltlich beraten, ob Rückabwicklungsansprüche bestehen.

Haftet die Bank, die den Kauf finanziert hat?

Die Bank haftet nur in Ausnahmefällen - insbesondere wenn sie einen institutionalisierten Wissensvorsprung hatte, also wusste, dass die Immobilie überteuert war, und den Käufer nicht darüber informiert hat. Der BGH hat in mehreren Urteilen entschieden, dass Banken bei sittenwidrigen Geschäften (Kaufpreis mehr als doppelt so hoch wie der Verkehrswert) und bei enger Verflechtung mit dem Vertrieb haften können. Der Nachweis ist allerdings schwierig. Ein auf Bankrecht spezialisierter Anwalt kann prüfen, ob in Ihrem Fall Ansprüche bestehen.

Lässt sich der Schaden bei einer Schrottimmobilie steuerlich geltend machen?

Ja, zumindest teilweise. Verluste aus Vermietung und Verpachtung können mit anderen Einkünften verrechnet werden, sofern eine Gewinnerzielungsabsicht nachgewiesen wird. Problematisch ist jedoch die Situation, wenn das Finanzamt nach Jahren anhaltender Verluste eine Liebhaberei unterstellt und die Verlustverrechnung verweigert. Wer eine Schrottimmobilie hält, sollte frühzeitig mit einem Steuerberater besprechen, wie die steuerliche Behandlung optimiert werden kann - und ob ein Verkauf steuerlich günstiger ist als das Weiterhalten mit laufenden Verlusten.

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Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.

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