Telefon
Direkt mit einem Experten sprechen.
Anrufen - 0911 / 88 18 73 80Fachbegriff aus dem Bereich Bautechnik & Sanierung
Schadstoffbelastung - Unter Schadstoffbelastung versteht man das Vorhandensein gesundheitsschädlicher oder umweltgefährdender Substanzen in Bauteilen, Baustoffen oder der Raumluft eines Gebäudes. Typische Schadstoffe in Bestandsimmobilien sind Asbest, PCB, PAK, Formaldehyd, Holzschutzmittel und Schwermetalle.
Die häufigsten Schadstoffgruppen in Immobilien lassen sich nach Material und Einbauzeitraum unterscheiden. Asbest wurde bis zum Verbot 1993 massenhaft in Dachplatten, Fassadenverkleidungen, Fußbodenbelägen und Rohrleitungen verarbeitet. Solange asbesthaltige Materialien intakt und gebunden sind, geht von ihnen keine akute Gefahr aus - bei Bearbeitung, Bruch oder Verwitterung werden jedoch krebserregende Fasern freigesetzt.
Polychlorierte Biphenyle (PCB) finden sich vor allem in Fugendichtmassen, Kondensatoren und Deckenplatten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Sie gasen über Jahrzehnte aus und reichern sich in der Raumluft an. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) treten in teerhaltigem Parkettkleber, Dachpappen und Abdichtungen auf. Formaldehyd stammt häufig aus Spanplatten, Sperrholz und Klebstoffen und führt zu Reizungen der Atemwege. Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan wurden bis in die 1990er-Jahre in Dachstühlen, Fachwerk und Holzverkleidungen eingesetzt. Schwermetalle wie Blei und Chrom können in alten Anstrichsystemen und Wasserleitungen enthalten sein.
Vor jeder Sanierung oder jedem Abbruch besteht die Pflicht, eine Schadstoffuntersuchung durchzuführen. Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) legen verbindliche Grenzwerte und Arbeitsschutzmaßnahmen fest. Belastete Materialien müssen als Sondermüll fachgerecht entsorgt werden - eine Entsorgung über den regulären Bauschutt ist verboten und strafbar.
Fachbetriebe für Schadstoffsanierung müssen besonders qualifiziert sein: Bei Asbest-Arbeiten gelten nach der TRGS 519 strenge Anforderungen an Ausrüstung (Vollschutzanzüge, Atemschutz), Arbeitsverfahren (feuchtes Arbeiten, keine Druckluft) und Entsorgung (spezielle Big-Bags, zugelassene Deponien). Die Kosten für eine fachgerechte Asbest-Sanierung liegen je nach Menge und Art des Materials bei 50-150 €/m², für eine komplette Dachsanierung eines Einfamilienhauses also bei 15.000-50.000 €.
Wer eine Immobilie verkauft, muss bekannte Schadstoffbelastungen gegenüber Kaufinteressenten offenlegen. Das ergibt sich aus der vorvertraglichen Aufklärungspflicht nach § 311 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 242 BGB (Treu und Glauben). Verschweigt der Verkäufer wissentlich eine Belastung - etwa eine bekannte Asbestverwendung im Dach -, kann der Käufer den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten oder Schadensersatz verlangen. Auch ein Gewährleistungsausschluss im Kaufvertrag greift bei Arglist nicht.
Für Käufer empfehlen wir daher, vor dem Erwerb eines Altbaus ein Schadstoffgutachten beauftragen zu lassen. Die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 500 und 3.000 Euro - eine lohnende Investition im Vergleich zu den möglichen Sanierungskosten, die bei Asbest-Komplettsanierungen schnell in den fünfstelligen Bereich steigen.
Neben Schadstoffen in Bauteilen kann auch der Boden eines Grundstücks belastet sein - sogenannte Altlasten aus früherer gewerblicher oder industrieller Nutzung. Das zuständige Amt für Umwelt oder die Untere Bodenschutzbehörde führt ein Altlastenkataster, aus dem sich Hinweise auf ehemalige Belastungen ergeben. Vor dem Kauf eines Grundstücks mit gewerblicher Vornutzung (Tankstelle, Chemiewerk, Reinigung, Druckerei) sollte immer eine Altlastenauskunft beim zuständigen Umweltamt eingeholt werden.
Die Sanierung von Altlasten im Boden ist oft wesentlich teurer als die Sanierung von Schadstoffen in Bauteilen: Ein kontaminierter Boden erfordert häufig einen vollständigen Bodenaustausch oder eine technische Sicherung, was Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich verursachen kann.
In der Metropolregion Nürnberg stehen zahlreiche Gebäude aus den 1950er- bis 1980er-Jahren, die statistisch besonders häufig schadstoffbelastet sind. Beim Kauf von Reihenhäusern in Stadtteilen wie Langwasser, Schweinau oder Eibach sowie bei Mehrfamilienhäusern in Fürth und Erlangen raten wir grundsätzlich zu einer Schadstoffanalyse vor dem Kauf.
Zugelassene Prüflabore und Sachverständige für Schadstoffe in Gebäuden finden wir über die IHK Nürnberg oder die Handwerkskammer für Mittelfranken. Gerne unterstützen wir Sie bei der Koordination. Besonders bei geplanten Umbaumaßnahmen (Kernsanierung, Dacherneuerung, Rückbau von Zwischenwänden) ist eine Vorab-Untersuchung gesetzlich vorgeschrieben und schützt sowohl die ausführenden Handwerker als auch die späteren Bewohner.
Eine orientierende Raumluftmessung beginnt bei etwa 200 bis 400 Euro. Eine umfassende Materialuntersuchung mit Probenentnahme und Laboranalyse kostet je nach Gebäudegröße und Anzahl der Proben zwischen 500 und 3.000 Euro. Bei konkretem Asbestverdacht sollte immer ein zertifizierter Sachverständiger beauftragt werden.
Ja, eine Schadstoffbelastung bedeutet nicht zwingend, dass ein Kauf ausgeschlossen ist. Entscheidend ist, ob die Sanierungskosten kalkulierbar sind und ob der Kaufpreis die Belastung angemessen berücksichtigt. Wir empfehlen, die voraussichtlichen Sanierungskosten vor der Kaufpreisverhandlung durch einen Fachbetrieb schätzen zu lassen.
Grundsätzlich trägt der Eigentümer die Verantwortung für die Beseitigung von Schadstoffen. Wurde die Belastung beim Kauf arglistig verschwiegen, kann der Käufer Schadensersatz vom Verkäufer verlangen. Bei Mietwohnungen muss der Vermieter für eine schadstofffreie Wohnumgebung sorgen - die Kosten können nicht als Modernisierungsumlage auf die Mieter umgelegt werden.
Eine grobe Orientierung: Gebäude bis 1970: Blei in Wasserleitungen (verzinkt oder Bleirohre), bleihaltiger Anstrich. Gebäude 1960-1980: PCB in Fugenmassen und Deckenplatten, Asbest in Fassaden, Dächern und Bodenbelägen. Gebäude 1970-1990: Asbest in Nachtspeicherheizungen, Formaldehyd aus Spanplatten, PCP und Lindan in Holzschutz. Gebäude bis 1993: grundsätzlich Asbestverdacht bei allen Verkleidungs- und Dichtmaterialien. Für jedes Gebäude vor 1993 empfehlen wir eine orientierende Schadstoffuntersuchung vor Kauf oder Sanierung.
Zurück zum Immobilien-Lexikon.
Sie möchten den Wert Ihrer Immobilie wissen?
Ermitteln Sie in 2 Minuten den realen Marktwert - kostenfrei und unverbindlich.
Fachlich geprüft von der myhome-Redaktion
Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
Wichtiger Hinweis zum Haftungsausschluss
Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.
Erhalten Sie eine kostenfreie und unverbindliche Einschätzung - persönlich oder online.
Wir sind dort, wo Ihre Immobilie ist - in der gesamten Metropolregion
Um Ihnen maximale Geschwindigkeit bei der Wertermittlung und Vermarktung zu garantieren, haben wir unsere Prozesse voll digitalisiert. Wir beraten Sie exklusiv und persönlich per Telefon oder Video-Call. Besichtigungstermine und Vor-Ort-Termine an Ihrer Immobilie finden selbstverständlich weiterhin persönlich statt. Besuche in unserer Zentrale in der Weißenburger Str. nur nach vorheriger Terminvereinbarung.
Direkt mit einem Experten sprechen.
Anrufen - 0911 / 88 18 73 80Schicken Sie uns Ihr Anliegen gerne per WhatsApp.
WhatsApp-NachrichtWir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.