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Fachwerkhäuser

Fachbegriff aus dem Bereich Spezialimmobilien

Fachwerkhäuser - historische Gebäude mit einem tragenden Skelett aus Holzbalken, deren Zwischenräume (Gefache) mit Lehm, Ziegel oder Naturstein ausgefacht sind. Diese Bauweise prägt seit dem Mittelalter das Stadtbild vieler fränkischer Ortskerne und vereint handwerkliche Tradition mit architektonischem Charme.

Konstruktion und bauliche Besonderheiten

Das Grundprinzip eines Fachwerkhauses beruht auf einem Ständerwerk aus Holz, das die gesamte Last des Gebäudes aufnimmt. Vertikale Ständer, horizontale Riegel und schräge Streben bilden zusammen ein stabiles Rahmenwerk. Die Gefache zwischen den Balken werden mit verschiedenen Materialien gefüllt - traditionell mit Flechtwerk und Lehmbewurf, später auch mit Ziegelsteinen oder Bruchstein.

Je nach Entstehungszeit unterscheiden wir verschiedene Fachwerkstile: Das alemannische Fachwerk mit seinen markanten Andreaskreuzen, das fränkische Fachwerk mit oft reich verzierten Eckständern und das niedersächsische Fachwerk mit seinen breiten Dielentor-Fassaden. In der Metropolregion Nürnberg begegnet uns vorwiegend das fränkische Fachwerk, das sich durch seine geschwungenen Zierbänder und die typische Sandsteinunterkellerung auszeichnet. Viele dieser Häuser stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und stehen heute unter Denkmalschutz.

Ein wesentliches Merkmal von Fachwerkhäusern ist ihre Anfälligkeit für bestimmte Schadensbilder. Dazu gehören der Befall durch Holzschädlinge wie den Hausbock oder den Gemeinen Nagekäfer, aufsteigende Feuchtigkeit in Schwellenbalken, Setzungsrisse durch ungleichmäßige Fundamentbelastung sowie die Verwitterung der Ausfachung. Eine regelmäßige Begutachtung durch Fachleute ist deshalb unverzichtbar.

Sanierung, Denkmalschutz und Fördermöglichkeiten

Wer ein Fachwerkhaus kaufen oder sanieren möchte, steht vor besonderen Herausforderungen. In Bayern unterliegen viele Fachwerkhäuser dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG). Das bedeutet: Jede bauliche Veränderung an der denkmalgeschützten Substanz bedarf der Genehmigung durch die untere Denkmalschutzbehörde. Gleichzeitig eröffnet der Denkmalstatus steuerliche Vorteile - Eigentümer können Sanierungskosten nach §§ 7i und 10f EStG über mehrere Jahre abschreiben.

Die Sanierungskosten für ein Fachwerkhaus liegen erfahrungsgemäß deutlich über denen eines konventionellen Bestandsgebäudes. Je nach Zustand und Umfang der Maßnahmen rechnen wir mit 1.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter. Neben der Denkmal-AfA stehen Förderprogramme der KfW (Effizienzhausförderung Denkmal) und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zur Verfügung. Der Charme und die Individualität eines sanierten Fachwerkhauses machen den Mehraufwand für viele Käufer jedoch mehr als wett.

Fachwerkhaus als Kapitalanlage: Wert und Risiken

Die Frage, ob ein Fachwerkhaus eine gute Kapitalanlage darstellt, lässt sich nicht pauschal beantworten. In touristisch attraktiven Lagen wie Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl oder Forchheim erzielen gut sanierte Fachwerkhäuser hohe Quadratmeterpreise und stabile Mieten - oft durch Ferienvermieter, die den historischen Charme vermarkten. In ländlichen Lagen ohne Zugkraft hingegen kann der hohe Sanierungsaufwand den Wert dauerhaft belasten.

Als Vermietungsobjekte unterliegen Fachwerkhäuser besonderen Anforderungen an den Modernisierungszustand: Mieter erwarten eine zeitgemäße Ausstattung, die in einem historischen Gebäude aufwendiger herzustellen ist. Die Energiebilanz ist bei unsanierten Fachwerkhäusern oft schlecht (Energieeffizienzklasse F oder G), was die Vermietbarkeit nach den neuen GEG-Anforderungen einschränkt. Eine energetische Sanierung ist jedoch nur im Einvernehmen mit der Denkmalschutzbehörde möglich und auf bestimmte Maßnahmen begrenzt.

Steuerlich lohnt sich die Investition in ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus besonders dann, wenn der Käufer über ausreichend zu versteuerndes Einkommen verfügt, um die Denkmal-AfA effektiv nutzen zu können. Bei einem Sanierungsvolumen von 300.000 Euro können innerhalb von zwölf Jahren bis zu 300.000 Euro steuerlich abgeschrieben werden (bei Vermietung: 9 % über 8 Jahre plus 7 % über weitere 4 Jahre). Das reduziert die effektive Belastung erheblich und macht das Fachwerkhaus für einkommensstarke Investoren zu einer attraktiven Assetklasse.

Typische Kaufrisiken und Due-Diligence-Checkliste

Beim Kauf eines Fachwerkhauses sollten Kaufinteressenten folgende Punkte systematisch prüfen:

Holzsubstanz: Sachverständigengutachten über Zustand des Tragwerks, Schädlingsbefall und Feuchteschäden einholen. Besonders kritisch: Schwellen- und Fundamentbereich sowie Dachstuhl.

Denkmalrechtliche Situation: Eintragung in die Denkmalliste beim Landesamt für Denkmalpflege prüfen. Welche Auflagen bestehen? Welche Maßnahmen wurden in der Vergangenheit genehmigt oder abgelehnt?

Energetischer Zustand: Heizungsanlage, Fenster, Dachzustand und vorhandene Dämmmaßnahmen bewerten. Liegt ein Energieausweis vor? Welche Effizienzklasse wird ausgewiesen?

Erschließung und Infrastruktur: Abwasseranschluss, Trinkwasserleitungen, elektrische Anlage - insbesondere bei Gebäuden aus der Vorkriegszeit oft veraltet und erneuerungsbedürftig.

Fördermittelhistorie: Wurden in der Vergangenheit öffentliche Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen in Anspruch genommen? Bestehen noch laufende Auflagen aus Förderverträgen?

Praxis-Tipp für die Region Nürnberg und Franken

In der fränkischen Region finden wir besonders viele erhaltene Fachwerkhäuser in den Altstädten von Herzogenaurach, Forchheim, Schwabach und Lauf an der Pegnitz. Auch im Nürnberger Knoblauchsland und in Teilen der Sebalder Altstadt sind historische Fachwerkensembles erhalten. Wer den Kauf eines solchen Objekts erwägt, sollte vor der Kaufentscheidung unbedingt einen auf Fachwerk spezialisierten Sachverständigen hinzuziehen.

Wir empfehlen zudem ein frühes Gespräch mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Dienststelle Nürnberg, Marienstraße 1) um Fördermöglichkeiten und Auflagen vorab zu klären. Erfahrungsgemäß ist die Behörde bei gut vorbereiteten Anfragen kooperativ und gibt frühzeitig Hinweise auf machbare Sanierungsvarianten - das erspart teure Planungsiterationen und gibt Kaufinteressenten eine realistische Kostenbasis.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet die Sanierung eines Fachwerkhauses?

Die Kosten hängen stark vom Zustand der Holzkonstruktion und der Ausfachung ab. Erfahrungsgemäß liegen sie zwischen 1.500 und 3.000 Euro pro Quadratmeter. Bei schwerwiegenden Schäden wie großflächigem Holzbockbefall oder durchfeuchteten Schwellen können die Kosten auch darüber liegen. Eine detaillierte Bestandsaufnahme durch einen Fachwerk-Sachverständigen ist vor der Kalkulation unerlässlich.

Darf ich ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus nach meinen Wünschen umbauen?

Grundsätzlich sind Veränderungen an der denkmalgeschützten Substanz genehmigungspflichtig. Im Inneren besteht oft mehr Gestaltungsspielraum als an der Fassade. Die Denkmalschutzbehörde bewertet jeden Einzelfall. Wir raten dazu, gewünschte Umbauten bereits vor dem Kauf mit der Behörde abzustimmen, um spätere Überraschungen zu vermeiden.

Welche Fördermittel gibt es für Fachwerkhäuser in Bayern?

Neben der steuerlichen Denkmal-AfA (§§ 7i, 10f EStG) können Eigentümer KfW-Förderkredite für die energetische Sanierung zum Effizienzhaus Denkmal beantragen. Zusätzlich vergibt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Zuschüsse für denkmalpflegerische Maßnahmen. Die Förderhöhe richtet sich nach Art und Umfang der geplanten Arbeiten. Wir unterstützen unsere Kunden gerne bei der Orientierung im Förderdschungel.

Kann ein Fachwerkhaus als Ferienimmobilie vermietet werden?

Ja - und das ist in touristischen Regionen Frankens ein attraktives Konzept. In Städten wie Rothenburg ob der Tauber oder Bamberg erzielen Ferienwohnungen in historischen Fachwerkhäusern überdurchschnittliche Tagesmieten. Zu beachten ist, dass in manchen Kommunen eine Zweckentfremdungsgenehmigung erforderlich ist und der Denkmalschutz bestimmte Ausstattungsmerkmale einschränken kann. Wir beraten Eigentümer gerne über das regionale Renditepotenzial.

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