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Bauleitplanung

Fachbegriff aus dem Bereich Allgemein

Bauleitplanung - Die Bauleitplanung ist das zentrale Instrument der Gemeinden zur Steuerung der städtebaulichen Entwicklung. Sie besteht aus zwei Stufen: dem Flächennutzungsplan (vorbereitende Bauleitplanung) und dem Bebauungsplan (verbindliche Bauleitplanung). Die Bauleitplanung bestimmt, wo und wie in einer Gemeinde gebaut werden darf, und ist die Rechtsgrundlage für die Erteilung von Baugenehmigungen nach §§ 2-10 BauGB.

Zwei Stufen der Bauleitplanung

Die Bauleitplanung gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Planungsstufen:

Flächennutzungsplan (F-Plan): Der Flächennutzungsplan stellt die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung für das gesamte Gemeindegebiet dar. Er zeigt in groben Zügen, welche Flächen für Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft, Verkehr oder Grünflächen vorgesehen sind. Der F-Plan ist nicht unmittelbar rechtsverbindlich für den einzelnen Bürger, bindet aber die Gemeinde selbst bei der Aufstellung von Bebauungsplänen. Bebauungspläne müssen aus dem Flächennutzungsplan entwickelt werden (§ 8 Abs. 2 BauGB).

Bebauungsplan (B-Plan): Der Bebauungsplan konkretisiert die Festsetzungen des Flächennutzungsplans für einen Teilbereich der Gemeinde. Er ist rechtsverbindlich und legt detailliert fest: Art der baulichen Nutzung (Baugebietstyp nach BauNVO), Maß der baulichen Nutzung (GRZ, GFZ, Zahl der Geschosse), überbaubare Grundstücksflächen (Baulinien, Baugrenzen), Verkehrsflächen und Grünflächen. Baugenehmigungen dürfen nur erteilt werden, wenn das Vorhaben den Festsetzungen des B-Plans entspricht.

Verfahrensarten im Überblick

VerfahrensartRechtsgrundlageWann anwendbarBesonderheit
Regelverfahren§§ 2-10 BauGBNeuaufstellung / größere ÄnderungenVollständige Umweltprüfung erforderlich
Vereinfachtes Verfahren§ 13 BauGBÄnderungen bestehender B-PläneKeine neue Umweltprüfung, reduzierte Beteiligung
Beschleunigtes Verfahren§ 13a BauGBInnenentwicklung < 20.000 m² GRZKeine Umweltverträglichkeitsprüfung
Bebauungsplan der Innenentwicklung§ 13b BauGBWohnbauland am OrtsrandVereinfachte Beteiligung, begrenzt bis 10.000 m²

Aufstellungsverfahren und Bürgerbeteiligung

Die Aufstellung eines Bebauungsplans folgt einem gesetzlich geregelten Verfahren nach §§ 2-10 BauGB:

  1. Aufstellungsbeschluss durch den Gemeinderat
  2. Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung (§ 3 Abs. 1 BauGB) - Bürger können Anregungen einbringen
  3. Frühzeitige Behördenbeteiligung (§ 4 Abs. 1 BauGB)
  4. Öffentliche Auslegung des Planentwurfs für mindestens 30 Tage (§ 3 Abs. 2 BauGB) - Stellungnahmen möglich
  5. Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen durch den Gemeinderat (§ 1 Abs. 7 BauGB)
  6. Satzungsbeschluss und Bekanntmachung (§ 10 BauGB)

Für betroffene Grundstückseigentümer ist die aktive Teilnahme an Beteiligungsverfahren entscheidend: Wer Einwendungen nicht im laufenden Verfahren vorbringt, verliert möglicherweise die Möglichkeit, später im Normenkontrollverfahren erfolgreich dagegen vorzugehen. Anwaltliche Unterstützung in der Beteiligungsphase lohnt sich bei großen wirtschaftlichen Interessen.

Wichtige B-Plan-Festsetzungen für Grundstückseigentümer

Der Bebauungsplan enthält zahlreiche Festsetzungen, die den Wert und die Bebaubarkeit eines Grundstücks direkt beeinflussen:

  • GRZ (Grundflächenzahl): Welcher Anteil des Grundstücks überbaut werden darf. GRZ 0,4 bedeutet: 40 % der Grundstücksfläche darf bebaut werden.
  • GFZ (Geschossflächenzahl): Verhältnis der gesamten Geschossfläche zur Grundstücksfläche. GFZ 1,2 bei 500 m² Grundstück = max. 600 m² Geschossfläche gesamt.
  • Zahl der Vollgeschosse: Begrenzt die Gebäudehöhe indirekt. „II” bedeutet maximal zwei Vollgeschosse.
  • Baulinien und Baugrenzen: Baulinien müssen bebaut werden, Baugrenzen dürfen nicht überschritten werden.
  • Art der Nutzung: WA (allgemeines Wohngebiet), MI (Mischgebiet), GE (Gewerbegebiet) nach BauNVO - maßgeblich für Zulässigkeit von Nutzungsänderungen.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

Wir empfehlen Eigentümern und Kaufinteressenten in der Metropolregion Nürnberg, den geltenden Bebauungsplan vor jeder Kauf- oder Bauplanung einzusehen. Die Stadt Nürnberg stellt viele Bebauungspläne im Geoportal Nürnberg (geoportal.nuernberg.de) online zur Verfügung - dort können Bebauungspläne, Flächennutzungsplan und laufende Planverfahren abgerufen werden. Achten Sie insbesondere auf laufende Planänderungsverfahren - eine geplante Umwidmung eines angrenzenden Gebiets (z. B. von Gewerbe zu Wohnen) kann den Wert Ihres Grundstücks erheblich beeinflussen.

Nutzen Sie Beteiligungsverfahren, um Ihre Interessen als Eigentümer einzubringen - insbesondere wenn eine geplante Nachverdichtung in Ihrer Nachbarschaft Ihre Besonnung, Aussicht oder Ruhesituation beeinträchtigen würde. In Nürnberger Wachstumsquartieren wie Lichtenreuth (ehemaliges Südbahnhofgelände), Langwasser-Nord oder Gebersdorf laufen regelmäßig neue Bebauungsplanverfahren, die erhebliche Auswirkungen auf angrenzende Bestandsimmobilien haben können.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn es keinen Bebauungsplan gibt?

Im sogenannten unbeplanten Innenbereich (§ 34 BauGB) ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der überbaubaren Grundstücksfläche in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Im Außenbereich (§ 35 BauGB) sind grundsätzlich nur privilegierte Vorhaben (z. B. Landwirtschaft, Windenergie, Versorgungsanlagen) zulässig. Ohne Bebauungsplan hat der Bauherr weniger Planungssicherheit, da die Beurteilung im Einzelfall durch die Bauaufsichtsbehörde erfolgt und von Fall zu Fall unterschiedlich ausfallen kann. Eine Bauvoranfrage schafft hier verbindliche Klarheit.

Kann ich gegen einen Bebauungsplan vorgehen?

Innerhalb eines Jahres nach Bekanntmachung des Bebauungsplans kann ein Normenkontrollantrag beim zuständigen Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) in München gestellt werden (§ 47 VwGO). Voraussetzung ist, dass der Antragsteller durch den Plan in seinen Rechten betroffen ist. Typische Angriffspunkte sind mangelhafte Abwägung nach § 1 Abs. 7 BauGB, fehlende oder fehlerhafte Umweltprüfung, Verfahrensfehler bei der Öffentlichkeitsbeteiligung oder ein Verstoß gegen übergeordnete Planvorgaben. Die Erfolgsquote solcher Anträge ist begrenzt, in gravierenden Fällen jedoch der richtige Weg. Wir empfehlen frühzeitig anwaltliche Beratung durch einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht.

Wie lange dauert die Aufstellung eines Bebauungsplans?

Die Aufstellung eines Bebauungsplans dauert in der Regel ein bis drei Jahre - je nach Komplexität, Zahl der Stellungnahmen und politischem Abstimmungsbedarf. Im beschleunigten Verfahren nach § 13a BauGB (Bebauungspläne der Innenentwicklung) kann das Verfahren auf 6-12 Monate verkürzt werden, da die Umweltprüfung entfällt. In der Metropolregion Nürnberg dauern B-Plan-Verfahren in der Praxis oft länger als geplant, da personelle Kapazitäten beim Stadtplanungsamt und bei den Fachbehörden begrenzt sind. Bauherren, die auf ein neues Planrecht warten, sollten bei ihrer Finanzierungsplanung großzügige Zeitpuffer einkalkulieren.

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