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Regionalfaktoren

Fachbegriff aus dem Bereich Immobilienbewertung

Regionalfaktoren - Regionalfaktoren (auch Marktanpassungsfaktoren oder Sachwertfaktoren) sind Korrekturfaktoren, die bei der Immobilienbewertung im Sachwertverfahren den normierten Sachwert an die tatsächlichen regionalen Marktverhältnisse anpassen. Sie werden von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte auf Basis realer Kaufpreise ermittelt und jährlich veröffentlicht. Ein Regionalfaktor über 1,0 zeigt an, dass die Marktpreise über dem rechnerischen Sachwert liegen.

Funktion im Sachwertverfahren

Im Sachwertverfahren wird zunächst der vorläufige Sachwert ermittelt: Bodenwert plus Herstellungskosten des Gebäudes abzüglich Alterswertminderung. Dieser rechnerische Wert weicht in der Praxis oft erheblich vom tatsächlichen Marktpreis ab - in Ballungsräumen liegen die Marktpreise deutlich darüber, in strukturschwachen Regionen darunter. Der Regionalfaktor korrigiert diese Abweichung: Vorläufiger Sachwert × Regionalfaktor = marktangepasster Sachwert. In München liegt der Regionalfaktor für Einfamilienhäuser bei ca. 1,4-1,8, in ländlichen Regionen Bayerns bei 0,6-0,9. Ohne den Regionalfaktor wäre der Sachwert als Verkehrswert unbrauchbar.

Die ökonomische Begründung des Regionalfaktors liegt darin, dass der Markt eine Immobilie nicht nach Herstellungskosten bewertet, sondern nach Angebot und Nachfrage. In gefragten Lagen zahlen Käufer deutlich mehr als es kostet, das Gebäude neu zu bauen - die Lagerente des Bodens spiegelt sich im Regionalfaktor über 1,0 wider. Umgekehrt gibt es in strukturschwachen Regionen Immobilien, für die kein Käufer den rechnerischen Herstellungswert zahlen würde - der Regionalfaktor unter 1,0 bildet diesen Nachfrageabschlag ab. Das Sachwertverfahren ohne Marktanpassung würde systematisch falsche Verkehrswerte liefern.

Ermittlung durch die Gutachterausschüsse

Die Gutachterausschüsse ermitteln die Regionalfaktoren aus der Auswertung tatsächlicher Kaufpreise (Kaufpreissammlung). Sie vergleichen den vorläufigen Sachwert von verkauften Immobilien mit dem tatsächlich gezahlten Kaufpreis und bilden daraus den durchschnittlichen Anpassungsfaktor - differenziert nach Gebäudeart, Baujahr, Größe und Lage. Die Faktoren werden im Grundstücksmarktbericht veröffentlicht und sind für Gutachter bei der Erstellung von Verkehrswertgutachten verbindlich anzuwenden (§ 14 ImmoWertV).

Die Qualität der Regionalfaktoren hängt unmittelbar von der Breite der Kaufpreisdatenbank ab. Gutachterausschüsse in Ballungsräumen mit vielen Transaktionen können differenzierte und statistisch belastbare Faktoren veröffentlichen; in ländlichen Regionen mit wenigen Verkäufen sind die Faktoren mit größerer Unsicherheit behaftet. Sachverständige müssen beim Fehlen aktueller lokaler Faktoren auf regionale Richtwerte oder ältere Daten zurückgreifen und entsprechende Begründungen in ihren Gutachten liefern.

Abgrenzung zu anderen Marktanpassungsinstrumenten

Der Regionalfaktor ist spezifisch für das Sachwertverfahren. Im Ertragswertverfahren übernimmt der Liegenschaftszinssatz eine ähnliche Funktion: Er passt den kapitalisierten Reinertrag an die regionalen Marktbedingungen an. Hohe Liegenschaftszinssätze spiegeln geringere Nachfrage und höhere Renditeanforderungen wider; niedrige Liegenschaftszinssätze zeigen, dass Käufer bereit sind, für Mieteinnahmen mehr zu zahlen. Im Vergleichswertverfahren entfällt ein separater Anpassungsfaktor, da die Vergleichspreise bereits die regionalen Marktverhältnisse abbilden.

Die Wahl des richtigen Bewertungsverfahrens beeinflusst auch die Bedeutung des Regionalfaktors: Bei Einfamilienhäusern und Zweifamilienhäusern, für die das Sachwertverfahren typischerweise angewendet wird, ist der Regionalfaktor zentral. Bei Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien steht das Ertragswertverfahren im Vordergrund, und der Liegenschaftszinssatz übernimmt die Marktanpassung. Sachverständige kombinieren häufig beide Verfahren und gewichten die Ergebnisse nach Marktgängigkeit und verfügbaren Daten.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg

Wir empfehlen Eigentümern in der Metropolregion Nürnberg, bei der Einschätzung ihres Immobilienwerts die aktuellen Sachwertfaktoren des Gutachterausschusses Mittelfranken zu berücksichtigen. In Nürnberg liegen die Faktoren für Einfamilienhäuser je nach Stadtteil bei ca. 1,0-1,3 - in Toplagen wie Erlenstegen oder am Tiergarten höher, in peripheren Lagen wie Langwasser-Süd näher an 1,0 oder darunter. Für Eigentumswohnungen weichen die Faktoren nochmals ab.

Die aktuellen Werte sind über das Immobilienmarktportal des Gutachterausschusses abrufbar (kostenpflichtig). Bei der Bewertung Ihrer Immobilie für einen Verkauf nutzen wir diese Faktoren, um Ihnen eine realistische Preiseinschätzung zu geben - und nicht die in einer anderen Marktphase ermittelten Werte. Besonders nach der Markkorrektur seit 2022/2023 sind aktuelle Faktoren deutlich geringer als die aus den Boomjahren, was bei der Preisfindung zwingend zu berücksichtigen ist. Wir stehen Ihnen für eine unverbindliche Einschätzung jederzeit zur Verfügung.

Häufig gestellte Fragen

Wo finde ich den Regionalfaktor für mein Grundstück?

Die Regionalfaktoren werden vom Gutachterausschuss im jährlichen Grundstücksmarktbericht veröffentlicht. Für Nürnberg und Mittelfranken ist der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Bereich des Katasteramts Nürnberg zuständig. Die Berichte sind kostenpflichtig (ca. 30-60 Euro). Alternativ können Sie den Regionalfaktor über das BORIS-Portal (Bodenrichtwertinformationssystem Bayern) online abfragen. Gutachter und Makler haben in der Regel Zugang zu den aktuellen Faktoren.

Gilt der Regionalfaktor auch beim Ertragswertverfahren?

Nein, der Regionalfaktor ist spezifisch für das Sachwertverfahren. Im Ertragswertverfahren wird der Marktwert über den Liegenschaftszinssatz angepasst - dieser erfüllt eine ähnliche Funktion als regionaler Marktindikator, basiert aber auf Mietrenditen statt auf Sachwert-Kaufpreis-Verhältnissen. Im Vergleichswertverfahren entfällt ein separater Anpassungsfaktor, da die Vergleichspreise bereits die regionalen Marktverhältnisse abbilden.

Wie stark schwankt der Regionalfaktor?

Der Regionalfaktor kann sich von Jahr zu Jahr ändern und zwischen benachbarten Gebieten erheblich unterscheiden. In den vergangenen Jahren lagen die Schwankungen in der Metropolregion Nürnberg bei ca. 5-10 % pro Jahr - in Boomjahren stiegen die Faktoren, in Korrekturphasen sanken sie. Zwischen den Nürnberger Stadtteilen können die Unterschiede 20-40 % betragen. Gutachter müssen stets die aktuellsten verfügbaren Faktoren verwenden, um ein marktgerechtes Ergebnis zu erzielen.

Kann ich den Regionalfaktor selbst auf meine Immobilie anwenden?

Grundsätzlich ja, wenn Ihnen die aktuellen Faktoren vorliegen und Sie den vorläufigen Sachwert korrekt berechnen können. In der Praxis ist die Ermittlung des vorläufigen Sachwerts (Bodenwert, Normalherstellungskosten, Alterswertminderung, modifizierte Restnutzungsdauer) komplex und erfordert Fachkenntnisse. Für eine erste Plausibilitätsprüfung Ihres Immobilienwerts können Sie den Regionalfaktor als Näherungswert verwenden; für eine belastbare Wertermittlung empfehlen wir die Beauftragung eines Sachverständigen.

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Wichtiger Hinweis zum Haftungsausschluss

Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.

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