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Preisfindung

Fachbegriff aus dem Bereich Vermarktung & Verkauf

Preisfindung bezeichnet den Prozess, durch den Verkäufer und Käufer einer Immobilie zu einem einvernehmlichen Kaufpreis gelangen - ausgehend vom Angebotspreis über Verhandlungen bis hin zum notariell beurkundeten Kaufpreis. Ein professioneller Preisfindungsprozess basiert auf fundierten Marktdaten, einer transparenten Kommunikation beider Parteien und der Berücksichtigung von Angebot, Nachfrage und der spezifischen Qualität des Objekts. Die Preisfindung ist eine der Kernaufgaben eines erfahrenen Immobilienmaklers.

Methoden der marktgerechten Preisermittlung

Grundlage jeder professionellen Preisfindung ist die Marktanalyse: Vergleichbare Verkäufe in ähnlicher Lage und Qualität (Vergleichspreisverfahren), Ertragswert bei Kapitalanlagen und Sachwert bei selbst genutzten Objekten bilden das methodische Fundament. Ergänzt wird dies durch die aktuelle Marktverfassung (Nachfrageüberhang, Zinsumfeld, Saisonalität), den Zustand des Objekts und besondere Merkmale (Panoramablick, Ausstattung, Energieeffizienz). Gute Preisfindung ist weder Schätzung noch Wunschdenken, sondern datengestützte Analyse.

Beim Vergleichswertverfahren werden abgeschlossene Transaktionen aus der Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses herangezogen. Das Ertragswertverfahren ist vor allem bei vermieteten Objekten relevant: Hier wird aus der nachhaltigen Nettokaltmiete, dem Liegenschaftszinssatz und der Restnutzungsdauer der Verkehrswert errechnet. Das Sachwertverfahren spielt bei individuellen Eigenheimen eine Rolle, die keine ausreichende Vergleichsobjektbasis haben. In der Praxis kombiniert ein erfahrener Makler oder Gutachter alle drei Methoden und gleicht die Ergebnisse plausibel ab.

Phasen des Preisfindungsprozesses

Der Prozess beginnt mit der Bewertung des Objekts durch den Makler oder Gutachter, gefolgt von der Festsetzung des Angebotspreises. In der Vermarktungsphase zeigt die Marktreaktion (Resonanz, Besichtigungsanfragen, Angebote), ob der Preis marktgerecht ist. In der Verhandlungsphase finden Käufer und Verkäufer durch Gegenangebote und Einigungsgespräche den konsensualen Kaufpreis. Beim Bieterverfahren setzt der Markt den Preis eigenständig durch konkurrierende Gebote.

Ein wichtiges Signal ist die sogenannte Erstmarktreaktion: Erhält ein Objekt innerhalb der ersten zwei Wochen nach Angebotsbeginn zahlreiche Anfragen und Besichtigungswünsche, ist der Angebotspreis marktgerecht oder leicht zu niedrig. Bleibt die Resonanz aus, weist das auf einen überhöhten Preis hin - dann ist eine frühzeitige Anpassung empfehlenswert, bevor das Objekt „verbrennt” und als schwer verkäuflich gilt.

Häufige Fehler und ihre Konsequenzen

Zu häufige Fehler bei der Preisfindung: emotionaler Liebhaberpreis des Verkäufers ohne Marktbezug (führt zu langem Objektstau), zu niedriger Einstiegspreis (verschenkt Kaufpreispotenzial), fehlende Transparenz über verhandlungsfähige Faktoren (erzeugt Misstrauen). Ein überhöhter Angebotspreis, der nach Wochen gesenkt werden muss, signalisiert Marktschwäche und schwächt die Verkäuferposition nachhaltig.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die unkritische Übernahme von Onlineportal-Angebotspreisen als Referenzwert. Diese spiegeln nicht die tatsächlich erzielten Transaktionspreise wider, sondern die ursprünglichen Vorstellungen der Verkäufer - die oft um 5 bis 15 % über dem Marktniveau liegen. Für eine zuverlässige Preisfindung führen daher allein die Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse zu belastbaren Ergebnissen.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

In Nürnberg und der Metropolregion schwanken die Preise je nach Stadtteil und Objekttyp erheblich. Eine Altbauwohnung in der Südstadt erzielt pro Quadratmeter deutlich andere Preise als eine vergleichbare Einheit in Langwasser oder Langwasser-Südost. Auch innerhalb eines Stadtteils können wenige Straßenzüge Unterschied zu Preisabweichungen von 10 bis 20 % führen - je nach Lage zur S-Bahn, Nähe zu Grünflächen oder dem Bauzustand der Nachbargebäude. Wir führen für Sie eine individuelle Marktpreisanalyse durch, die auf aktuellen Transaktionsdaten basiert - nicht auf veralteten Angebotspreisen aus Portalen. So erzielen Sie den optimalen Kaufpreis in der kürzest möglichen Vermarktungszeit.

Wichtig ist dabei auch der Zeitpunkt: Der Nürnberger Immobilienmarkt zeigt saisonale Schwankungen. Die Nachfrage ist im Frühjahr und Herbst typischerweise am stärksten. Ein Verkaufsstart im Januar oder August kann zu einer schwächeren Erstreaktion führen - nicht wegen des Preises, sondern wegen der geringeren Käuferpräsenz am Markt. Wir beraten Sie, wann der ideale Moment für den Vermarktungsstart ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet sich der Angebotspreis vom Kaufpreis?

Der Angebotspreis ist der vom Verkäufer geforderte Preis; der Kaufpreis ist der letztlich im Notarvertrag beurkundete, verhandelte Preis. In aktiven Märkten (Nürnberg) liegen beide oft nah beieinander oder der Kaufpreis übersteigt den Angebotspreis sogar (Bieterverfahren). In ruhigeren Märkten sind Abschläge von 3-10 % üblich.

Welchen Einfluss hat der aktuelle Zins auf die Preisfindung?

Steigende Zinsen reduzieren die maximale Finanzierbarkeit der Käufer und dämpfen damit Kaufpreise. Sinkende Zinsen erhöhen die Kaufkraft und treiben Preise nach oben. Im Jahr 2025 normalisieren sich die Zinsen nach dem Anstieg der Vorjahre; Verkäufer sollten aktuelle Marktdaten für die Preisfindung nutzen.

Sollte ich ein unabhängiges Gutachten in Auftrag geben?

Für selbst genutzte Immobilien ohne Renditehintergrund reicht oft eine professionelle Maklereinschätzung. Bei größeren Investitionsobjekten, Erbauseinandersetzungen oder steuerrelevanten Transaktionen empfehlen wir ein zertifiziertes Verkehrswertgutachten nach § 194 BauGB durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.

Wie verändert sich die Preisfindung bei einem Bieterverfahren?

Beim Bieterverfahren gibt der Verkäufer keinen festen Angebotspreis vor, sondern lädt mehrere Kaufinteressenten ein, bis zu einem Stichtag schriftlich ihr Höchstgebot einzureichen. Der Vorteil: Der Markt bestimmt den Preis, und in nachfragestarken Phasen werden häufig Preise erzielt, die über der ursprünglichen Wertermittlung liegen. Der Nachteil: Das Verfahren erzeugt Unsicherheit bei Interessenten, und weniger erfahrene Käufer scheiden manchmal frühzeitig aus, weil sie das Verfahren als zu komplex empfinden. In Nürnberg wird das Bieterverfahren vor allem bei besonders gefragten Objekten eingesetzt - etwa bei freistehenden Einfamilienhäusern in Stadtvierteln wie St. Johannis, Maxfeld oder Großreuth bei Schweinau, wo die Nachfrage das Angebot regelmäßig deutlich übersteigt. Wir analysieren im Einzelfall, ob ein Bieterverfahren oder ein klassischer Festpreisverkauf die höhere Netto-Verkaufsleistung erzielt - das hängt von der Objektqualität, der aktuellen Marktlage und dem Käuferprofil ab.

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Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.

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