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Niedrigenergiehaus

Fachbegriff aus dem Bereich Bautechnik & Sanierung

Ein Niedrigenergiehaus ist ein Gebäude, das durch eine besonders energieeffiziente Bauweise einen deutlich geringeren Heizenergiebedarf aufweist als konventionelle Bestandsgebäude. Es gilt als Vorläufer des Passivhauses und des KfW-Effizienzhauses. In der Regel werden Niedrigenergiegebäude durch verbesserte Wärmedämmung, wärmebrückenfreie Konstruktion und eine kontrollierte Wohnraumlüftung definiert - exakte gesetzliche Grenzwerte existieren in Deutschland nicht, wohl aber als Klassifizierungsmerkmal verschiedener Förderprogramme.

Energetische Kennwerte und Abgrenzung

Der Begriff „Niedrigenergiehaus” ist in Deutschland nicht gesetzlich definiert, hat sich aber in der Praxis etabliert. Typische Kenngrößen sind:

  • Jahresprimärenergiebedarf: deutlich unter dem gesetzlichen GEG-Mindeststandard, oft unter 70 kWh/(m²·a)
  • Transmissionswärmeverlust: reduziert durch hochwärmedämmende Außenwände, Fenster und Dach
  • Luftwechselrate: kontrollierte Lüftung verhindert Wärmeverluste durch unkontrolliertes Lüften

Im Vergleich:

  • Bestandsgebäude vor 1980: oft 150-300 kWh/(m²·a)
  • Niedrigenergiehaus: ca. 50-70 kWh/(m²·a)
  • KfW-Effizienzhaus 55: max. 55 % des GEG-Referenzgebäudewerts
  • Passivhaus: unter 15 kWh/(m²·a)

Mit dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) 2020 und der weiteren Anhebung der Mindeststandards in 2024 entsprechen heutige GEG-Neubauten faktisch dem Standard eines früheren Niedrigenergiehauses - was den Begriff im Neubaubereich zunehmend in den Hintergrund treten lässt. Im Sanierungsbereich hat er aber nach wie vor Bedeutung.

Konstruktive Merkmale eines Niedrigenergiehauses

Typische Baumaßnahmen, die ein Haus zum Niedrigenergiehaus machen:

  • Außenwanddämmung: Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder zweischaliges Mauerwerk mit Kerndämmung
  • Dreifach-Verglasung: U-Wert der Verglasung unter 0,8 W/(m²·K)
  • Wärmegedämmtes Dach: Aufsparrendämmung oder Zwischensparrendämmung
  • Wärmerückgewinnung: Kontrollierte Wohnraumlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung über 75 %
  • Wärmebrückenminimierung: konstruktive Maßnahmen an Fensterleibungen, Balkonen und Gebäudeecken

Diese Maßnahmen wirken zusammen und müssen aufeinander abgestimmt sein. Ein Gebäude mit hervorragender Außenwanddämmung, aber schlecht abgedichteten Fenstern erreicht den Niedrigenergiestandard nicht. Deshalb ist eine ganzheitliche Planung durch einen Energieberater unverzichtbar.

Fördermöglichkeiten und Marktwert

Niedrigenergiegebäude profitieren in Deutschland von KfW-Förderprogrammen, die günstige Darlehen und Tilgungszuschüsse für energieeffiziente Neubauten und Sanierungen bieten. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) umfasst sowohl Neubau- als auch Sanierungsmaßnahmen und kann durch das BAFA in Anspruch genommen werden. Der wichtigste Schritt: Ein Energieberater muss die Förderung beantragen, bevor die Baumaßnahme beginnt - im Nachhinein gibt es keine Förderung.

Auf dem Immobilienmarkt erzielen Niedrigenergiegebäude in der Regel höhere Verkaufspreise und sind bei Käufern zunehmend gefragt - nicht zuletzt wegen der gestiegenen Energiepreise und des wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit. Die Energieeffizienzklasse eines Gebäudes (A+ bis H) beeinflusst auch die Immobilienfinanzierung, da Banken zunehmend günstigere Konditionen für energieeffiziente Objekte bieten.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

In Nürnberg und der Metropolregion Franken sehen wir bei Kaufinteressenten eine deutlich steigende Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden. Eigentümer, die ihr Haus zum Niedrigenergiehaus sanieren, können nicht nur ihre Energiekosten deutlich senken, sondern auch den Verkehrswert der Immobilie steigern.

Wir empfehlen, vor einer energetischen Sanierung einen Energieberater der Deutschen Energie-Agentur (dena) oder einen qualifizierten Energieberater des Verbraucherschutzes in Nürnberg hinzuzuziehen, um Fördermittel optimal auszuschöpfen und die richtige Reihenfolge der Maßnahmen zu planen (Gebäudehülle vor Heizungsanlage). Kontakte zu zertifizierten Energieberatern in Nürnberg und der Region vermitteln wir auf Anfrage.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Niedrigenergiehaus und Passivhaus?

Ein Niedrigenergiehaus reduziert den Heizbedarf deutlich gegenüber Bestandsgebäuden, kommt aber noch nicht ohne konventionelle Heizungsanlage aus. Ein Passivhaus erreicht einen Jahresheizwärmebedarf von unter 15 kWh/(m²·a) und benötigt keine separate Heizungsanlage - die Erwärmung erfolgt durch Sonneneinstrahlung, interne Wärmequellen und die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage. Passivhäuser erfordern eine aufwendigere Planung und sind in der Errichtung teurer, haben aber noch niedrigere Betriebskosten.

Lohnt sich die Sanierung zum Niedrigenergiehaus wirtschaftlich?

Das hängt vom Ausgangszustand des Gebäudes, den Energiepreisen und den verfügbaren Fördermitteln ab. In vielen Fällen amortisiert sich eine umfassende energetische Sanierung innerhalb von 15-20 Jahren - besonders, wenn KfW-Tilgungszuschüsse oder BAFA-Förderung genutzt werden. Hinzu kommt der gesteigerte Marktwert der Immobilie, der bei einem späteren Verkauf realisiert werden kann.

Welche Förderprogramme gibt es für Niedrigenergiegebäude in Bayern?

Auf Bundesebene bietet die KfW das Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude” (BEG). Auf Landesebene unterstützt Bayern energetische Modernisierungen über das Bayerische Wohnungsbauförderprogramm. Zusätzlich kann die Bundesförderung über das BAFA für einzelne Sanierungsmaßnahmen wie Dachdämmung, Fenstererneuerung oder Lüftungsanlagen in Anspruch genommen werden.

Niedrigenergiehaus und Energieausweis

Seit Einführung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ist beim Verkauf und bei der Neuvermietung von Immobilien die Vorlage eines Energieausweises verpflichtend. Der Energieausweis dokumentiert die energetische Qualität eines Gebäudes und weist die Energieeffizienzklasse (A+ bis H) aus. Niedrigenergiegebäude erreichen in der Regel die Klassen A oder B, während schlecht sanierte Bestandsbauten häufig in den Klassen E bis H eingestuft werden.

Der Energieausweis gibt es in zwei Varianten: als Bedarfsausweis (auf Basis berechneter Kennwerte, unabhängig vom tatsächlichen Nutzerverhalten) und als Verbrauchsausweis (auf Basis der tatsächlich gemessenen Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre). Für Niedrigenergiegebäude empfiehlt sich der Bedarfsausweis, da er die bauliche Qualität besser widerspiegelt und vom tatsächlichen Nutzerverhalten unabhängig ist.

Beim Immobilienkauf sollten Käufer auf die Energieeffizienzklasse des Objekts achten: Sie beeinflusst die laufenden Nebenkosten, die Finanzierungskonditionen bei einigen Banken und zunehmend auch den Wiederverkaufswert. Gebäude in den Klassen F, G und H werden in Zukunft unter Druck geraten, da die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) schrittweise strengere energetische Mindeststandards einführen wird.

Heizungsgesetz und Auswirkungen auf den Niedrigenergiestandard

Das Gebäudeenergiegesetz 2024 (umgangssprachlich „Heizungsgesetz”) hat die Anforderungen an neue Heizungsanlagen verschärft: Ab 2024 müssen neu installierte Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Für Niedrigenergiegebäude, die ohnehin einen geringen Heizenergiebedarf haben, eröffnen sich hier besondere Möglichkeiten:

  • Wärmepumpen arbeiten im Niedrigenergiegebäude besonders effizient, weil die Vorlauftemperaturen niedrig gehalten werden können
  • Pelletheizungen und Biomasseanlagen können die 65-Prozent-Vorgabe ebenfalls erfüllen
  • Fernwärme aus erneuerbaren Quellen erfüllt die gesetzlichen Anforderungen bei Anschluss an geeignete Netze
  • Photovoltaik in Kombination mit Wärmepumpe ermöglicht einen weitgehend autarken Betrieb

Besitzer älterer Niedrigenergiegebäude mit noch konventioneller Heizung sollten rechtzeitig planen, welches Heizsystem beim nächsten Tausch in Frage kommt - und dabei die kombinierten Anforderungen aus GEG und kommunaler Wärmeplanung im Blick behalten.

Niedrigenergiehaus als Verkaufsargument auf dem Nürnberger Immobilienmarkt

Auf dem Nürnberger Immobilienmarkt beobachten wir eine wachsende Sensibilität der Käufer für die energetische Qualität von Gebäuden. Während noch vor wenigen Jahren der Lagewert nahezu der einzige Preistreiber war, berücksichtigen Käufer heute verstärkt die zu erwartenden Nebenkosten und den Sanierungsaufwand.

Ein Niedrigenergiehaus in einer guten Nürnberger Lage - etwa in Schweinau, Kornburg oder am Valznerweiher - ist deutlich einfacher zu vermarkten als ein vergleichbares Objekt mit Energieeffizienzklasse G oder H, das noch aufwendig saniert werden muss. Käufer rechnen Sanierungskosten zunehmend in ihr Angebot ein. Eigentümer, die in die energetische Qualität ihrer Immobilie investiert haben, können diesen Mehrwert am Markt realisieren - vorausgesetzt, die Maßnahmen sind dokumentiert und durch einen aktuellen Energieausweis belegt.

Wir empfehlen Verkäufern, energetische Modernisierungen mit Rechnungen, Handwerkerbestätigungen und dem aktuellen Energieausweis zu dokumentieren, um den Mehrwert beim Verkauf transparent und nachvollziehbar darzustellen.

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