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Kerndämmung bezeichnet die nachträgliche Dämmung des Luftspalts (Kerns) in zweischaligem Mauerwerk durch das Einblasen von Dämmmaterial in die Luftschicht zwischen Innen- und Außenschale. Sie ist eine minimalinvasive Dämmmaßnahme, die ohne großen Aufwand, ohne Veränderung der Fassade und ohne nennenswerte Einschränkung der Bewohner durchgeführt werden kann. Voraussetzung ist, dass das Mauerwerk eine ausreichend breite, zusammenhängende Luftschicht von mindestens 4-5 cm aufweist.
Bei der Kerndämmung bohren Fachbetriebe kleine Löcher (Durchmesser ca. 35-50 mm) von außen in die Außenschale des Mauerwerks, verteilt in einem Raster über die gesamte Fassade. Durch diese Öffnungen wird Dämmmaterial - meist Mineralwolle-Granulat, EPS-Perlen (Styroporkugeln), Zelluloseflocken oder Perlite - eingeblasen oder eingefüllt, bis der gesamte Hohlraum lückenlos verfüllt ist. Anschließend werden die Bohrlöcher mit farblich angepasstem Mörtel verschlossen. Die Eingriffe in die Fassade sind kaum sichtbar.
Kerndämmung ist besonders verbreitet bei Gebäuden der 1950er bis 1980er Jahre, die in zweischaligem Klinker- oder Backsteinmauerwerk errichtet wurden. In Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen ist diese Bauweise sehr häufig; in Bayern und Franken findet man sie ebenfalls, jedoch seltener als massives einschaliges Mauerwerk. Die Wahl des Füllmaterials richtet sich nach der Breite des Hohlraums, den Anforderungen an Wärme- und Schallschutz sowie der Feuchtigkeitssituation. Mineralische Dämmstoffe (z. B. Mineralwolle-Granulat) sind in feuchtigkeitsexponierten Bereichen besonders empfehlenswert.
Bevor eine Kerndämmung ausgeführt werden kann, muss der Hohlraum sorgfältig untersucht werden. Dabei prüft ein Fachbetrieb mithilfe einer Endoskopkamera: Ist der Hohlraum durchgehend und ausreichend breit (mindestens 4 cm)? Gibt es Querschnittsverengungen durch Mauerwerksanker, Abstandhalter oder Bauschutt? Liegt Feuchtigkeit im Hohlraum vor? Sind die Mauerschalen in gutem Zustand? Feuchtigkeit im Hohlraum vor der Dämmung kann nach der Verfüllung zu Schimmelbildung im Kernbereich führen - eine der häufigsten Fehlerquellen bei unsachgemäß ausgeführter Kerndämmung. Erst wenn der Hohlraum trocken und frei von Hindernissen ist, darf gedämmt werden.
Ein weiterer Prüfpunkt ist die Schlagregenbeanspruchungszone des Gebäudestandorts (Einteilung nach DIN 4108-3). In Lagen mit hoher Schlagregenbelastung muss die Außenschale ausreichend dicht sein, damit Regenwasser nicht durch Risse oder offene Fugen in den Hohlraum eindringt. In solchen Fällen kann Mineralwolle-Granulat gegenüber EPS-Perlen vorzuziehen sein, da es kapillar aktiver ist und Feuchtigkeit besser ableitet.
Eine gut ausgeführte Kerndämmung kann den U-Wert der Wand deutlich verbessern, je nach Hohlraumbreite und Material auf Werte von 0,3-0,5 W/(m²K). Die Maßnahme ist im Vergleich zu einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder einer hinterlüfteten Vorhangfassade deutlich günstiger (ca. 20-50 €/m²) und schont die Fassadenoptik. Bei einem Einfamilienhaus mit 120 m² zu dämmender Wandfläche und Kosten von ca. 30 €/m² entstehen Gesamtkosten von rund 3.600 €. Verglichen mit einem WDVS, das oft 80-120 €/m² kostet, ist die Kerndämmung eine sehr wirtschaftliche Alternative.
Die Heizkosteneinsparung hängt vom Ausgangszustand ab. Typisch sind Einsparungen von 15-30 % der Heizkosten für die betreffenden Wandflächen. Bei einem Einfamilienhaus mit 1.500 € jährlichen Heizkosten und 30 % Wandanteil könnten ca. 450 € eingespart werden - bei 3.600 € Investition wäre die Amortisation in rund 8 Jahren erreicht. Die Maßnahme wird durch das BAFA und über KfW-Einzelmaßnahmenprogramme gefördert; die Förderquote beträgt derzeit 15 % der Investitionskosten.
In Nürnberg und der Region Franken findet man zweischaliges Klinkermauerwerk vor allem bei Siedlungsbauten aus den 1950er bis 1970er Jahren, z. B. in Teilen von Langwasser, Wetzendorf oder den Nürnberger Vororten. Eigentümer solcher Gebäude sollten prüfen lassen, ob eine Kerndämmung technisch möglich ist - eine Endoskopkamera-Inspektion des Hohlraums schafft Klarheit.
Wir empfehlen, vor der Maßnahme einen zertifizierten Energieberater (Energieeffizienz-Experte für Bundesförderung) hinzuzuziehen. Er prüft nicht nur die technische Eignung, sondern stellt auch den Förderantrag beim BAFA und begleitet die fachgerechte Ausführung. Eine schlecht ausgeführte Kerndämmung kann mehr schaden als nützen - insbesondere wenn der Hohlraum vorab nicht gründlich untersucht wurde. Wir bei my-home.de verweisen Sie gerne an erfahrene Energieberater in der Region.
Das lässt sich häufig durch Blick in den Keller oder durch den ursprünglichen Bauplan feststellen. Auffällig ist auch eine Wandstärke von mehr als 36 cm - das deutet auf eine Doppelschalenkonstruktion hin. Ein Energieberater oder Sachverständiger kann mit einer Thermografieaufnahme oder Endoskopie Gewissheit verschaffen.
Nein, sinnvollerweise nicht. Einmal eingeblasenes Dämmmaterial lässt sich nicht ohne weiteres entfernen. Deshalb ist eine sorgfältige Voruntersuchung des Hohlraums auf Feuchtigkeit, Schäden oder Fremdkörper (z. B. Bauschutt) vor der Maßnahme unbedingt erforderlich.
In der Regel nein. Da die Außenfassade optisch kaum verändert wird, ist in den meisten Bundesländern keine Baugenehmigung erforderlich. Bei Denkmalschutz oder besonderen örtlichen Gestaltungssatzungen sollte dennoch vorab beim Bauordnungsamt oder der Denkmalbehörde nachgefragt werden.
Die Wahl hängt von der Breite des Hohlraums und der Schlagregenbelastung des Standorts ab. Mineralwolle-Granulat ist bei feuchtigkeitsgefährdeten Lagen vorzuziehen, da es kapillaraktiv ist und keine Feuchtigkeit speichert. EPS-Perlen (Styroporgranulat) eignen sich gut für trockene Bereiche und sind etwas günstiger. Zelluloseflocken sind ökologisch verträglich und gut schalldämmend, benötigen aber einen absolut trockenen Hohlraum. Perlite sind besonders bei sehr schmalen Hohlräumen geeignet, da sie als Schüttgut auch enge Stellen gut ausfüllen. Ein Fachbetrieb wählt das Material nach den örtlichen Gegebenheiten aus.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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