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Change of Control

Fachbegriff aus dem Bereich Recht & Verträge

Change of Control - Eine Change-of-Control-Klausel ist eine Vertragsbestimmung, die einer Vertragspartei besondere Rechte einräumt, wenn es beim Vertragspartner zu einem Wechsel der Eigentümer- oder Kontrollstruktur kommt. Im Immobilienbereich finden sich solche Klauseln in gewerblichen Mietverträgen, Darlehensverträgen, Gesellschaftsverträgen und Joint-Venture-Vereinbarungen. Typische Rechtsfolgen sind ein Sonderkündigungsrecht, ein Zustimmungsvorbehalt oder eine Nachbesicherungspflicht.

Anwendungsbereiche im Immobilienrecht

Change-of-Control-Klauseln kommen in verschiedenen Immobilienverträgen vor:

  • Gewerbliche Mietverträge: Der Vermieter erhält ein Sonderkündigungsrecht, wenn sich die Gesellschafterstruktur des Mieters wesentlich ändert - dies schützt vor dem Eintritt unbekannter oder weniger solventer Mieter ohne erneute Bonitätsprüfung
  • Darlehensverträge: Die Bank kann den Kredit fällig stellen, wenn der Eigentümer der Immobiliengesellschaft wechselt - dies sichert die Bank gegen eine Verschlechterung der Kreditqualität
  • Joint Ventures: Ein Partner erhält ein Vorkaufsrecht oder ein Zustimmungsrecht, wenn der andere Partner seinen Anteil an einen Dritten veräußern möchte
  • Share Deals: Bei Immobilientransaktionen über Anteilskäufe (statt Direktkauf) greifen Change-of-Control-Klauseln in den bestehenden Verträgen des Zielunternehmens

Bedeutung bei Immobilientransaktionen

Bei Share Deals - dem Erwerb einer Immobiliengesellschaft anstelle des Grundstücks selbst - spielen Change-of-Control-Klauseln eine zentrale Rolle in der Due Diligence. Share Deals werden in der Immobilienwirtschaft häufig gewählt, um Grunderwerbsteuer zu sparen, da beim Kauf von Gesellschaftsanteilen (bis zu bestimmten Schwellenwerten) keine oder reduzierte Grunderwerbsteuer anfällt. Werden Change-of-Control-Klauseln in Miet- oder Darlehensverträgen übersehen, kann der Erwerber unerwartete Sonderkündigungsrechte wichtiger Mieter oder Kreditgeber auslösen - mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen.

Die Prüfung aller wesentlichen Verträge auf Change-of-Control-Klauseln ist daher ein Standardbestandteil jeder Transaktionsprüfung und gehört in den Datenraum jeder professionellen Due Diligence. Besonders in Nürnberger Gewerbeimmobilientransaktionen - etwa beim Kauf von Büro- und Lagergebäuden im Gewerbegebiet Nürnberg-Eibach oder im Technologiepark - sollte dieser Aspekt nicht vernachlässigt werden.

Gestaltungshinweise für Vermieter

Wer als Vermieter von einer Change-of-Control-Klausel profitieren möchte, sollte den Schwellenwert, die Rechtsfolge und das Verfahren sorgfältig definieren. Eine Klausel, die nur auf einen Wechsel des unmittelbaren Gesellschafters abstellt, kann durch mehrstufige Beteiligungsstrukturen umgangen werden. Empfehlenswert ist ein Verweis auf die mittelbar beherrschende Person oder eine Kombination aus Gesellschafter- und Geschäftsführungswechsel als Auslösetatbestand. Auch die Informationspflicht des Mieters - also die Verpflichtung, einen Eigentümerwechsel unverzüglich zu melden - sollte vertraglich geregelt werden.

Change-of-Control-Klauseln im Überblick - Vertragstypen und Rechtsfolgen

VertragstypTypischer AuslöserSchwellenwertRechtsfolgePraxisrelevanz
Gewerblicher MietvertragGesellschafterwechsel beim Mieter≥ 25-50 % der AnteileSonderkündigungsrecht VermieterHoch bei Ankermietern
Darlehensvertrag (Bank)Eigentümerwechsel der ImmobiliengesellschaftKontrolle (> 50 %)Kreditkündigung/NachbesicherungHoch bei Share Deal
Joint-Venture-VertragAnteilsveräußerung an DrittenJede VeräußerungVorkaufsrecht, ZustimmungspflichtStandard in JV-Strukturen
DienstleistungsvertragWechsel des Auftraggebers/BetreibersJe nach VereinbarungKündigungsrecht, NeuverhandlungMittel (Hausverwaltung, FM)
Kreditlinie / KonsortialkreditGesellschafterwechsel beim KreditnehmerKontrolle (> 50 %)Event of Default, FälligstellungHoch bei Großtransaktionen

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

Wir empfehlen gewerblichen Vermietern in der Metropolregion Nürnberg, in langfristigen Mietverträgen eine Change-of-Control-Klausel aufzunehmen, die ein Sonderkündigungsrecht oder zumindest ein Informationsrecht bei wesentlichen Gesellschafterwechseln des Mieters vorsieht. Gerade bei Mietern, deren Kreditwürdigkeit für die Vermietbarkeit des Objekts entscheidend ist (z. B. Ankermieter in einem Fachmarktzentrum oder einem Bürogebäude), schützt diese Klausel vor unerwarteten Bonitätsverschlechterungen. Für Investoren, die Immobilien über Gesellschaften halten, gilt: Prüfen Sie vor einer geplanten Anteilsveräußerung alle bestehenden Miet-, Darlehens- und Dienstleistungsverträge auf Change-of-Control-Klauseln und holen Sie gegebenenfalls die erforderlichen Zustimmungen vorab ein, um die Transaktion nicht zu gefährden.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Schwellenwert greift eine Change-of-Control-Klausel?

Der Schwellenwert wird im Vertrag individuell definiert - typisch sind 25 %, 50 % oder 75 % der Stimmrechte oder Gesellschaftsanteile. Bei 50 % spricht man von einem Kontrollwechsel im engeren Sinne. Manche Klauseln greifen bereits bei einem Wechsel der „mittelbar beherrschenden Person” - dann kann auch ein Eigentümerwechsel auf höherer Konzernebene relevant sein, selbst wenn die unmittelbare Gesellschaft unverändert bleibt. Die genaue Schwelle sollte auf die Bonitätsrelevanz des Mieters oder Partners abgestimmt sein.

Kann eine Change-of-Control-Klausel in Wohnraummietverträgen vereinbart werden?

Im Wohnraummietrecht ist eine Change-of-Control-Klausel unüblich und nach deutschem Mietrecht auch kaum relevant, da Wohnraummietverträge in der Regel mit natürlichen Personen geschlossen werden. Bei gewerblichen Mietverträgen mit juristischen Personen oder Personenhandelsgesellschaften ist sie dagegen Standard und empfehlenswert, weil hier die Gesellschafterstruktur für die Bonität und Verlässlichkeit des Mieters maßgeblich ist.

Was passiert, wenn eine Change-of-Control-Klausel ausgelöst wird?

Die Rechtsfolge hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Häufig erhält die andere Partei ein Sonderkündigungsrecht (sie kann kündigen, muss es aber nicht), ein Zustimmungsrecht (die Transaktion bedarf ausdrücklicher Zustimmung) oder es wird eine Nachbesicherung fällig, etwa durch eine erhöhte Kaution oder eine Bankbürgschaft. Die Nichtbeachtung einer Zustimmungsklausel kann zur Unwirksamkeit der Transaktion oder zur Vertragsauflösung berechtigen - schwerwiegende Folgen, die eine gründliche Due Diligence unverzichtbar machen.

Change of Control und Share-Deal-Transaktionen in Nürnberg

In der Metropolregion Nürnberg werden Gewerbeimmobilien - Bürogebäude, Logistikhallen, Einzelhandelsimmobilien - häufig über Gesellschaftsstrukturen gehalten und über Share Deals gehandelt. Dabei ist die Prüfung bestehender Change-of-Control-Klauseln ein Kernbestandteil der rechtlichen und wirtschaftlichen Due Diligence.

Besonders bei langfristigen Mietverträgen mit solventen Ankermietern - etwa Unternehmen aus dem Technologie- oder Gesundheitssektor - trägt die Stabilität dieser Mietverträge wesentlich zum Objektwert bei. Eine Change-of-Control-Klausel, die dem Ankermieter ein Sonderkündigungsrecht beim Eigentümerwechsel einräumt, kann im ungünstigsten Fall dazu führen, dass der wichtigste Mieter nach einem Erwerb kündigt - mit direkter Folge für den Kaufpreis und die Finanzierung. Erfahrene Transaktionsberater in Nürnberg holen deshalb vor Signing die sogenannte „Vendor Consent” ein: eine Erklärung des Mieters, dass er trotz ausgelöster Change-of-Control-Klausel auf sein Sonderkündigungsrecht verzichtet oder zugestimmt hat. Diese Zustimmung hat einen messbaren Wert und sollte frühzeitig im Transaktionsprozess adressiert werden.

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