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X-fache Immobilie

Fachbegriff aus dem Bereich Allgemein

Im Immobilienjargon bezeichnet die Kennzahl „das X-fache” das Verhältnis des Kaufpreises zu den jährlichen Mieteinnahmen einer Immobilie - auch bekannt als Kaufpreisfaktor oder Vervielfältiger. Eine Immobilie, die „das 20-fache” kostet, hat einen Kaufpreis, der dem Zwanzigfachen der Jahresnettokaltmiete entspricht. Diese Kenngröße ist eines der meistgenutzten Instrumente, um auf einen Blick einzuschätzen, wie hoch ein Kaufpreis im Vergleich zur erzielbaren Rendite bewertet ist.

Kaufpreisfaktor: Berechnung und Aussagekraft

Der Kaufpreisfaktor errechnet sich einfach: Kaufpreis geteilt durch die Jahresnettokaltmiete. Ein Objekt, das für 400.000 Euro angeboten wird und 20.000 Euro Jahresnettomiete erwirtschaftet, hat einen Kaufpreisfaktor von 20. Der Kehrwert - die Bruttomietrendite - beträgt in diesem Fall 5 %.

Als Faustregel gilt:

  • Faktor unter 18: Günstig bewertet, hohe Anfangsrendite, aber oft erhöhtes Risiko (schlechtere Lage, Sanierungsbedarf)
  • Faktor 18-25: Marktüblicher Bereich für mittlere Lagen, solide Investition
  • Faktor 25-35: Teuer bewertet - der Markt preist Wertsteigerungspotenzial oder Knappheit ein
  • Faktor über 35: Sehr ambitioniert, typisch für Top-Lagen in Metropolen (München, Hamburg)

Je niedriger der Faktor, desto höher die erzielbare Anfangsrendite; je höher der Faktor, desto mehr preist der Markt Wertsteigerungspotenzial oder eine stabile Nachfrage ein. In Großstädten wie München werden Faktoren von 30 bis 40 erzielt; in Mittelstädten und Randlagen liegen sie häufig zwischen 15 und 25.

Einordnung nach Lage und Marktphase

Der angemessene Kaufpreisfaktor ist nicht absolut, sondern muss stets im Kontext des Marktes interpretiert werden. In angespannten Wohnungsmärkten mit starker Mietnachfrage rechtfertigen Investoren höhere Faktoren, weil sie auf künftige Mietsteigerungen und Wertzuwachs setzen. In Märkten mit stagnierender Bevölkerung und geringer Nachfrage sind niedrige Faktoren angebracht, da das Leerstandsrisiko und der Instandhaltungsstau den Ertrag schmälern können.

Neben dem Kaufpreisfaktor sollten stets folgende Aspekte in die Renditebetrachtung einbezogen werden:

  • Leerstandsrisiko: Wie hoch ist die ortsübliche Leerstandsquote? In Nürnberg unter 2 %, in schwächeren Lagen Frankens teils über 5 %
  • Bewirtschaftungskosten: Verwaltung (ca. 3-5 % der Mieteinnahmen), Instandhaltungsrücklage (7-15 €/m²/Jahr), Versicherungen
  • Mietausfallwagnis: Erfahrungswert ca. 2 % der Jahresmiete als Puffer
  • Finanzierungskonditionen: Bei 70 % Fremdfinanzierung und 4 % Zins ändert sich die Eigenkapitalrendite erheblich gegenüber Vollfinanzierung

Abgrenzung zur Nettoanfangsrendite

Während der Kaufpreisfaktor eine grobe Ersteinschätzung erlaubt, gibt die Nettoanfangsrendite ein genaueres Bild: Hier werden nicht nur die Rohmieten, sondern auch nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten (Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis) berücksichtigt. Die Nettoanfangsrendite liegt typischerweise 1-2 Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite.

Für eine fundierte Kaufentscheidung empfiehlt sich stets eine vollständige Investitionsrechnung, die alle Kostenpositionen und den Kapitaldienst einschließt. Erst dann wird sichtbar, ob die Immobilie tatsächlich positiven Cashflow generiert oder ob monatlich draufgezahlt werden muss - und ob das angesichts der erwarteten Wertsteigerung akzeptabel ist.

Kaufpreisfaktor als Verhandlungsargument

Im Rahmen von Kaufpreisverhandlungen kann der Kaufpreisfaktor ein starkes Argument sein. Liegt der geforderte Faktor deutlich über dem Marktniveau für die betreffende Lage, lässt sich auf Basis einer Marktanalyse ein niedrigerer Kaufpreis argumentieren. Umgekehrt können Verkäufer einen höheren Faktor rechtfertigen, wenn besondere Alleinstellungsmerkmale vorliegen - etwa eine exzellente Lage, ein neu sanierter Zustand oder langfristige Mietverträge mit solventen Mietern.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

In Nürnberg bewegten sich Kaufpreisfaktoren für Mehrfamilienhäuser zuletzt im Bereich von 20 bis 28, je nach Lage und Objektqualität. In guten Lagen wie der Altstadt oder Gostenhof werden teils höhere Faktoren erzielt, während periphere Stadtteile und fränkische Mittelzentren wie Fürth oder Schwabach oft deutlich darunter liegen und damit höhere Anfangsrenditen bieten.

Der Zinsanstieg 2022/2023 hat die Kaufpreisfaktoren spürbar unter Druck gesetzt - viele Objekte, die mit Faktor 28-30 angeboten wurden, wurden zu Faktor 22-24 verkauft. Wer jetzt kauft, profitiert von realistischeren Bewertungen. Wir helfen Ihnen, Kaufangebote im lokalen Marktkontext einzuordnen und realistisch zu bewerten - mit einer aktuellen Marktanalyse, die auf echten Transaktionsdaten aus Nürnberg basiert.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein „gutes” X-faches für eine Kapitalanlage?

Das hängt von der Investitionsstrategie ab. Wer auf laufende Rendite setzt, bevorzugt niedrige Faktoren (15 bis 18). Wer langfristige Wertsteigerung in nachgefragten Lagen anstrebt, akzeptiert höhere Faktoren (25 bis 35). Wichtig ist, dass der Kaufpreis realistisch zur Mietsituation passt und keine unrealistischen Mietsteigerungen eingepreist werden.

Berücksichtigt der Kaufpreisfaktor alle Kosten?

Nein. Der Kaufpreisfaktor ist eine grobe Erstkenngröße. Er berücksichtigt weder Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler - in Bayern ca. 9,5 % des Kaufpreises), noch laufende Bewirtschaftungskosten, Leerstandsrisiken oder Finanzierungsaufwand. Für eine belastbare Renditerechnung müssen alle diese Faktoren einbezogen werden.

Wie verändert sich der Faktor nach einer Sanierung?

Steigen durch eine Sanierung die erzielbaren Mieten, sinkt der Kaufpreisfaktor - sofern der Kaufpreis unverändert bleibt. Steigt der Kaufpreis aufgrund der Aufwertung, verschiebt sich das Verhältnis entsprechend. Bei Sanierungsobjekten ist eine Vorher-Nachher-Betrachtung sinnvoll: Wie hoch ist der Kaufpreisfaktor auf Basis der aktuellen Miete - und wie hoch auf Basis der erzielbaren Miete nach Sanierung? Die Differenz zeigt das Wertsteigerungspotenzial der Maßnahme.

Kann ich den Kaufpreisfaktor für eine selbstgenutzte Immobilie anwenden?

Ja, als Orientierungsgröße - allerdings mit Einschränkungen. Bei selbstgenutztem Eigentum wird häufig die fiktive Miete (was würde die Wohnung an Kaltmiete erzielen?) als Vergleichsgröße herangezogen. Wenn der Kaufpreis dem 25-fachen der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht, ist das ein Hinweis darauf, dass Kaufen gegenüber Mieten langfristig wirtschaftlicher ist - sofern die Zinsbindung und die Nutzungsdauer passen.

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