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Thermische Sanierung

Fachbegriff aus dem Bereich Allgemein

Thermische Sanierung bezeichnet alle Maßnahmen, die die Wärmedämmung und Energieeffizienz eines Gebäudes verbessern - von der Fassadendämmung über die Dachdämmung bis zum Austausch von Fenstern und Türen. Ziel ist die Reduzierung des Heizenergieverbrauchs, die Senkung der Betriebskosten und die Verbesserung des Wohnkomforts. Angesichts steigender Energiepreise und verschärfter gesetzlicher Anforderungen ist die thermische Sanierung heute für viele Eigentümer wirtschaftlich und rechtlich notwendig - und zunehmend auch ein entscheidender Faktor für den Immobilienwert und die Vermarktbarkeit.

Typische Maßnahmen der thermischen Sanierung

Die thermische Sanierung umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, die einzeln oder in Kombination umgesetzt werden können:

Fassadendämmung: Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS), die hinterlüftete Vorhangfassade oder die Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk reduziert den Wärmeverlust über die Außenwände um bis zu 60 %. Das WDVS ist die häufigste Variante bei Mehrfamilienhäusern der Nachkriegszeit und kostet in der Region Nürnberg je nach Material und Dämmdicke typischerweise 80-150 €/m² Wandfläche.

Dachdämmung: Aufsparren-, Zwischensparren- oder Untersparrendämmung schützt vor Wärmeverlust über die oberste Gebäudehülle. Bei nicht ausgebautem Dachgeschoss ist die Dämmung der obersten Geschossdecke die kostengünstigste Option (ab ca. 15-25 €/m²) und gleichzeitig eine gesetzliche Pflicht bei Eigentümerwechsel nach GEG.

Kellerdeckendämmung: Verhindert Kälteeintrag von unten und ist relativ kostengünstig (ca. 20-40 €/m²), bringt jedoch mit 5-10 % Gesamtersparnis den geringsten Effekt unter den Einzelmaßnahmen.

Fenster- und Türentausch: Moderne Wärmeschutzverglasung (Dreifachverglasung, U-Wert ≤ 0,8 W/m²K) schließt Wärmebrücken an den Öffnungen. Fensteraustausch kostet je nach Größe und Qualität 400-1.200 € pro Fenster inkl. Einbau und ist besonders wirkungsvoll bei alten Einfachverglasungen der 1950er-1970er-Jahre.

In Kombination ermöglichen diese Maßnahmen eine Senkung des Heizenergieverbrauchs von 30-70 %, abhängig vom Ausgangszustand des Gebäudes.

Förderung und Wirtschaftlichkeit

Die thermische Sanierung wird durch verschiedene Programme gefördert:

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) des BAFA und der KfW bietet Zuschüsse und zinsgünstige Kredite für Einzelmaßnahmen (BEG EM) und Komplettsanierungen (BEG WG/NWG). Bei Einzelmaßnahmen sind Zuschüsse von 15 % der förderfähigen Kosten möglich; bei einem bestehenden individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Bonus auf 5 Prozentpunkte, also bis zu 20 %. Bei Komplettsanierungen auf einen anerkannten Effizienzhausstandard (EH 85 bis EH 40 Plus) sind Zuschüsse von 15-45 % möglich. Wichtig: Der Förderantrag muss vor Baubeginn gestellt werden - nachträgliche Anträge werden nicht anerkannt.

Die Amortisationszeit variiert je nach Maßnahme zwischen 10 und 25 Jahren und sinkt mit steigenden Energiepreisen. Bei Gaspreisen von 12-15 Cent/kWh und einer Heizenergieeinsparung von 50 % bei einem Einfamilienhaus amortisiert sich eine vollständige thermische Sanierung typischerweise in 12-18 Jahren - unter Berücksichtigung der Förderung.

Thermische Sanierung und Immobilienwert

Eine gut dokumentierte thermische Sanierung steigert den Verkehrswert einer Immobilie messbar. Der Energieausweis weist nach der Sanierung eine bessere Effizienzklasse aus - von Klasse G oder H auf Klasse C oder B ist bei Altbauten der 1960er-1980er-Jahre realistisch. Käufer und Mieter achten zunehmend auf die Energieeffizienz; Immobilien mit schlechter Energiebilanz (Klassen F-H) erzielen am Markt Abschläge von 10-20 % gegenüber vergleichbaren sanierten Objekten. Dieser Werteunterschied wächst, je stärker die energetischen Sanierungsanforderungen verschärft werden.

Für Vermieter besonders relevant: Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, in nationales Recht umzusetzen) sieht mittelfristig Mindestenergiestandards vor, die die schlechtesten Gebäude (Klassen F und G) zur Sanierung zwingen werden. Wer jetzt saniert, vermeidet eine zukünftige Pflicht unter möglicherweise ungünstigeren Bedingungen (höhere Baupreise, geringere Fördertöpfe).

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

Nürnberg und die fränkische Region verfügen über einen hohen Altbaubestand der Baujahre 1920-1980, der erhebliches Sanierungspotenzial aufweist. Besonders in den gründerzeitlichen Stadtteilen (Südstadt, Gostenhof, Johannis) sind viele Gebäude noch mit unzureichender Fassadendämmung und alten Fenstern ausgestattet. Die Stadt Nürnberg unterstützt zusätzlich zur Bundesförderung lokale Klimaschutzprojekte und bietet kostenlose Energieberatung über die Verbraucherzentrale Bayern an. Wer eine Fachberatung vor Ort wünscht, kann sich an die Energieagentur Nordbayern oder die IHK Nürnberg wenden.

Wir empfehlen, vor der Sanierung einen unabhängigen Energieberater (zugelassen nach GEG, Eintrag in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes) zu beauftragen, der einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt. Dieser Fahrplan legt die optimale Reihenfolge der Maßnahmen fest (z. B. zuerst Dach, dann Fassade, dann Fenster, dann Heizung), maximiert die Förderquoten und verhindert kostspielige Fehler - etwa das nachträgliche Aufbrechen von Außenwänden nach dem Fensteraustausch. Die Kosten für einen iSFP betragen ca. 1.500-2.500 Euro und sind ihrerseits mit bis zu 80 % förderfähig.

Häufig gestellte Fragen

Bin ich als Eigentümer zur thermischen Sanierung verpflichtet?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpflichtet bei Eigentümerwechsel zur Dämmung der obersten Geschossdecke (falls nicht bereits ausreichend gedämmt) innerhalb von zwei Jahren nach Erwerb. Darüber hinaus bestehen für bestehende Gebäude derzeit keine allgemeinen Sanierungspflichten nach GEG - lediglich für Heizungsanlagen gibt es Austauschpflichten (z. B. keine Ölkessel älter als 30 Jahre, ausgenommen Niedertemperatur- und Brennwertkessel). Die EU-Gebäuderichtlinie wird jedoch mittelfristig strengere Mindestanforderungen bringen, die voraussichtlich ab 2030 schrittweise in Kraft treten.

Wie viel kostet eine komplette thermische Sanierung eines Einfamilienhauses?

Die Kosten für eine Vollsanierung (Fassade, Dach, Keller, Fenster) eines typischen Einfamilienhauses der 1970er-Jahre liegen in der Region Nürnberg zwischen 70.000 und 150.000 Euro, abhängig von Größe, Zustand und gewähltem Qualitätsstandard. Nach Abzug der Bundesförderung (je nach Maßnahmenpaket und Effizienzstandard 15-45 %) reduziert sich die Eigenleistung spürbar. Hinzu kommen die ersparten Heizkosten über 15-25 Jahre, die bei der Gesamtrechnung unbedingt berücksichtigt werden sollten.

Verbessert die thermische Sanierung den Energieausweis?

Ja, deutlich. Ein unsanierter Altbau der 1970er-Jahre liegt beim Energieausweis oft bei Effizienzklasse F oder G; nach umfassender Sanierung auf GEG-2024-Standard ist Klasse B oder C erreichbar. Ein verbesserter Energieausweis verbessert die Verkaufbarkeit der Immobilie, erhöht den erzielbaren Mietzins (Energiebeschaffenheit ist ein Faktor bei der Mietspiegeleinordnung) und erschließt Förderprogramme, die an Energieklassen geknüpft sind. Für Vermieter ist ein aktueller, verlässlicher Energieausweis seit 2023 bei Neuvermietung und Verkauf Pflicht - Verstöße werden mit Bußgeld geahndet.

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