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Ein Tilgungsplan ist eine tabellarische Übersicht, die für jede Periode der Darlehenslaufzeit die Aufteilung der Annuität in Zins- und Tilgungsanteil, die Restschuld nach der Zahlung sowie den Verlauf der Zinslast darstellt. Er ermöglicht Kreditnehmern, den exakten Stand ihrer Verbindlichkeit zu jedem Zeitpunkt zu kennen und die Finanzierungsplanung langfristig zu strukturieren. Banken sind gesetzlich verpflichtet, dem Darlehensnehmer bei Vertragsabschluss einen Tilgungsplan auszuhändigen.
Das in Deutschland bei Immobilienkrediten dominierende Finanzierungsmodell ist das Annuitätendarlehen: Die monatliche Rate (Annuität) bleibt während der Zinsbindungsperiode konstant, aber die interne Aufteilung zwischen Zins und Tilgung verschiebt sich laufend. Zu Beginn ist der Zinsanteil hoch, weil die Restschuld groß ist; mit jeder Tilgungszahlung sinkt die Restschuld und damit der Zinsanteil - der Tilgungsanteil steigt entsprechend. Diese “Tilgungssteigerung durch ersparte Zinsen” beschleunigt die Entschuldung im Zeitverlauf erheblich.
Ein konkretes Beispiel: Bei einem Darlehen von 300.000 Euro, 3,5 % Zinssatz und 2 % anfänglicher Tilgung beträgt die monatliche Annuität ca. 1.375 Euro. Im ersten Monat entfallen davon ca. 875 Euro auf Zinsen und 500 Euro auf Tilgung. Im zehnten Jahr entfallen bereits ca. 750 Euro auf Zinsen und 625 Euro auf Tilgung - bei gleicher Monatsrate. Am Ende der 15-jährigen Zinsbindung liegt die Restschuld bei ca. 221.000 Euro - trotz 15 Jahren Zahlungen. Dies verdeutlicht, warum ein anfänglicher Tilgungssatz von 3 % oder mehr sinnvoll ist.
Ein vollständiger Tilgungsplan enthält für jeden Monat bzw. jedes Jahr die folgenden Angaben:
Am Ende der Zinsbindung zeigt der Tilgungsplan die Restschuld, die dann prolongiert oder durch eine Anschlussfinanzierung abgelöst werden muss. Wer diese Zahl frühzeitig kennt, kann die Anschlussfinanzierung optimal planen - etwa durch ein Forward-Darlehen, das die künftigen Zinsen bereits heute sichert.
Der Tilgungsplan ist auch das Werkzeug, um die Wirkung von Sondertilgungen zu verstehen. Moderne Online-Rechner (z. B. von Interhyp oder Dr. Klein) erlauben es, Sondertilgungen in den Plan einzubauen und zu sehen, wie sich die Restschuld und die Gesamtlaufzeit verändern. Wer sehen möchte, wie viele Jahre eine einmalige Sondertilgung von 10.000 Euro spart, erhält hier klare Antworten - und motiviert sich damit oft zu regelmäßigen Sondertilgungen.
Die Bank stellt nach jeder Sondertilgung einen aktualisierten Tilgungsplan zur Verfügung, der die neue Restschuld und den neuen Rückzahlungsverlauf abbildet. Wir empfehlen, diesen aktualisierten Plan nach jeder Sondertilgung anzufordern und aufzubewahren.
Bei vermieteten Immobilien ist der Tilgungsplan steuerlich relevant: Nur der Zinsanteil der Annuität ist als Werbungskosten absetzbar - der Tilgungsanteil nicht, da er keine Ausgabe, sondern eine Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital darstellt. Der Tilgungsplan liefert die exakten Zinsbeträge je Kalenderjahr, die der Steuerberater für die Einkommensteuererklärung benötigt. Wir empfehlen Vermietern, ihrem Steuerberater jährlich den aktuellen Tilgungsplan zur Verfügung zu stellen, um die korrekten Werbungskosten zu sichern und Fehler bei der Steuererklärung zu vermeiden.
Wichtig: Bei einem Darlehen, das zum Jahreswechsel läuft, sind die im Dezember und Januar gezahlten Zinsen dem jeweiligen Kalenderjahr zuzuordnen, auch wenn die Zahlung marginal übergreift. Der Tilgungsplan weist die Jahreszinsen klar aus.
In Nürnberg und der Metropolregion Franken kaufen viele Eigentümer mit einem Eigenkapitalanteil von 20-30 % und finanzieren den Rest über Darlehen. Bei typischen Kaufpreisen zwischen 300.000 und 700.000 Euro für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser entstehen Darlehen in erheblicher Höhe. Die sorgfältige Analyse des Tilgungsplans ist deshalb unerlässlich - besonders im Hinblick auf die Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung.
Wir empfehlen, bei der Finanzierungsplanung die Tilgungsrate nicht zu niedrig anzusetzen: Eine anfängliche Tilgung von mindestens 2 % pro Jahr stellt sicher, dass die Restschuld bis zur ersten Prolongation nach zehn Jahren spürbar gesunken ist. Bei einer Tilgung von nur 1 % kann die Restschuld nach zehn Jahren noch fast so hoch sein wie zu Beginn - ein erhebliches Risiko, wenn die Zinsen bis dahin gestiegen sind.
Sprechen Sie uns an - wir vernetzen Sie mit unabhängigen Finanzierungsberatern in der Region, die Ihnen einen individuellen, auf Ihre Einkommenssituation zugeschnittenen Tilgungsplan erstellen und verschiedene Tilgungsszenarien durchrechnen.
Die Gesamtlaufzeit hängt stark vom anfänglichen Tilgungssatz und dem Zinsniveau ab. Als Orientierung: Bei 2 % anfänglicher Tilgung und 4 % Zinssatz beträgt die vollständige Tilgungsdauer ca. 28-33 Jahre. Bei 3 % Tilgung verkürzt sich die Laufzeit auf ca. 21-25 Jahre. Sondertilgungen können die Gesamtlaufzeit je nach Häufigkeit und Höhe um weitere 5-10 Jahre verkürzen. Ein Volltilgerdarlehen, bei dem die Tilgung so gewählt wird, dass das Darlehen genau innerhalb der Zinsbindung abbezahlt ist, bietet die kürzeste und planungssicherste Variante.
Ja. Gemäß § 492 BGB in Verbindung mit der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie (Art. 17 MCD) müssen Banken dem Kreditnehmer bei Vertragsabschluss einen vollständigen Tilgungsplan aushändigen - das ist eine gesetzliche Pflicht, keine Kulanzleistung. Bei Annuitätendarlehen zeigt der Plan die gesamte Zinsbindungsperiode mit allen Monatswerten. Bei variablen Darlehen, bei denen der Zinssatz schwankt, wird der Tilgungsplan regelmäßig (z. B. jährlich) aktualisiert und dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellt.
Der Tilgungsplan endet mit dem Ende der Zinsbindung und weist die dann noch offene Restschuld aus. Diese Restschuld muss entweder durch vorhandenes Eigenkapital vollständig beglichen werden (was selten der Fall ist) oder durch eine Anschlussfinanzierung zu neuen Konditionen weiterbedient werden. Die Anschlussfinanzierung kann bei der bestehenden Bank (Prolongation) oder bei einer anderen Bank (Umschuldung) abgeschlossen werden. Wir empfehlen, spätestens 12-18 Monate vor Ablauf der Zinsbindung Angebote einzuholen, um nicht unter Zeitdruck ungünstige Konditionen akzeptieren zu müssen.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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