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Ein Laubengang ist ein gedeckter, außenliegender Erschließungsgang, der mehrere Wohnungen einer Etage erschließt und dabei offen zur Außenseite des Gebäudes hin ist. Im Gegensatz zum innenliegenden Treppenhaus führt der Laubengang entlang der Fassade und ermöglicht den direkten Zugang zu den Wohnungseingangstüren von außen. Diese Bauform hat eine lange historische Tradition und ist in der modernen Wohnarchitektur wieder als flächeneffiziente und kostengünstige Erschließungsform en vogue.
Der Laubengang hat Vorläufer in der historischen Fachwerkarchitektur fränkischer Städte: Überdachte Außengänge (sogenannte „Söller” oder „Gaden”) finden sich an alten Bauernhöfen und Stadthäusern in Franken und Bayern. In der Moderne wurde der Laubengang durch den sozialen Wohnungsbau der 1950er bis 1970er Jahre in Deutschland verbreitet - als kostengünstige Alternative zum innenliegenden Treppenhaus. Typische Beispiele sind die Großwohnsiedlungen aus dieser Ära in Nürnberg-Langwasser oder Fürth-Ronhof.
Heute erlebt der Laubengang eine Renaissance im bezahlbaren Wohnungsbau und im ökologischen Bauen: Die erhöhte Wohnfläche je Erschließungsfläche macht ihn wirtschaftlich attraktiv, und durch moderne Holz-Hybridkonstruktionen lassen sich Wärmebrücken und Witterungsprobleme besser beherrschen als in den Bauten der Nachkriegszeit.
Brandschutz ist beim Laubengang ein besonders relevantes Thema, da der Gang als einziger Fluchtweg für alle erschlossenen Wohnungen dient. Die BayBO schreibt vor, dass der Laubengang als Rettungsweg eine Mindestbreite von 1,0 m (bei Hochhäusern 1,5 m) aufweisen muss und frei von brennbaren Materialien zu halten ist. Fahrräder, Kinderwagen und Möbel dürfen den Fluchtweg nicht einengen. Bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden mit Laubengängen ist zu beachten, dass eine Dämmung der Brüstungen oder das Schließen des Ganges mit Glas die Fluchtwegeigenschaften verändern kann - dies muss mit der Bauaufsicht abgestimmt werden.
Die Schwachstelle älterer Laubenganggebäude liegt in den auskragenden Betondecken und -stützen: Sie bilden Wärmebrücken, an denen Energie verloren geht und sich Kondensation bilden kann. Moderne Sanierungsstrategien setzen auf thermisch entkoppelte Vorsatzschalen aus Stahl oder Holz, die den bestehenden Laubengang ersetzen oder überkleiden. In Bayern fördert das KfW-Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude” (BEG) derartige Sanierungsmaßnahmen, sofern das Gesamtgebäude einen definierten Effizienzhaus-Standard erreicht. Bei Wohnungseigentümergemeinschaften ist die Entscheidung über eine solche Sanierung ein Beschlussthema der Eigentümerversammlung, das qualifizierter Mehrheit bedarf.
In Nürnberg finden sich Laubenganggebäude vor allem in Siedlungen aus den 1960er und 1970er Jahren, insbesondere in Langwasser, Großreuth, Schoppershof und Teilen von Fürth-Südstadt. Bei Sanierungsvorhaben an solchen Gebäuden ist die Dämmung der Laubengangdecken und die Erneuerung der Wärmebrücken am Anschlusspunkt zur Gebäudehülle oft die größte Herausforderung - und gleichzeitig die Position mit dem höchsten Energiesparpotenzial.
Wer eine Eigentumswohnung in einem Laubenganggebäude kauft, sollte sich den Energieausweis und den aktuellen Beschlussstand der WEG zu Instandhaltungsrücklagen und geplanten Sanierungsmaßnahmen genau ansehen. Ist eine teure Laubengangsanierung absehbar, kann das eine erhebliche Sonderumlage bedeuten. Wir vermitteln gerne Fachplaner, die auf energetische Sanierung von Laubenganggebäuden spezialisiert sind, und unterstützen unsere Käuferkunden dabei, die Risiken solcher Objekte realistisch einzuschätzen.
Ja. Der Laubengang ist bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft gemeinschaftliches Eigentum; Instandhaltung und Reinigung sind Aufgabe der WEG. Individuelle Nutzungen (z. B. Blumenkästen, Fahrräder) bedürfen einer Regelung in der Gemeinschaftsordnung. Wer einen Abschnitt des Laubengangs exklusiv nutzen möchte, braucht ein Sondernutzungsrecht, das in der Teilungserklärung oder durch Beschluss begründet werden muss.
In beschränktem Maß. Die WEG kann durch Beschluss oder in der Teilungserklärung einzelnen Eigentümern Sondernutzungsrechte an Laubengang-Abschnitten einräumen. Brandschutzanforderungen (Fluchtwegbreite) begrenzen aber die Möblierung - Gegenstände, die den Fluchtweg einengen, können von der WEG-Verwaltung oder sogar der Feuerwehr entfernt werden.
Ein Balkon ist eine private, dem Sondernutzungsbereich zugeordnete Freifläche einer Wohnung. Der Laubengang ist ein gemeinschaftlicher Erschließungsweg, auf den alle Bewohner der Etage Zutritt haben. Technisch und rechtlich sind beide klar zu trennen. Ein Balkon steht nur dem Wohnungseigentümer zur Verfügung; der Laubengang ist ein Bereich, der einem öffentlichen Flur vergleichbar ist.
Der Laubengang selbst zählt als gemeinschaftliche Erschließungsfläche nicht zur Wohnfläche der einzelnen Einheiten. Wohnungen in Laubenganggebäuden haben daher typischerweise keine privaten Freiflächen wie Balkone - es sei denn, die Planung sieht zusätzlich private Terrassenabschnitte oder Balkone auf der gegenüberliegenden Fassadenseite vor. Käufer von Wohnungen in Laubenganggebäuden sollten die fehlende private Außenfläche bei der Kaufpreisentscheidung berücksichtigen: Im Nürnberger Markt wird eine fehlende private Freifläche zunehmend als Nachteil gewertet und schlägt sich bei Vermarktung und Preisfindung nieder. Umgekehrt bieten Laubenganggebäude durch die Erschließungsstruktur oft großzügigere Grundrisslösungen, da der klassische innenliegende Flur entfällt.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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