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Dispositionskredit - Der Dispositionskredit (kurz: Dispo) ist eine von der Bank eingeräumte Überziehungsmöglichkeit auf dem Girokonto. Er ermöglicht es Kontoinhabern, ihr Konto bis zu einem vereinbarten Limit zu überziehen - allerdings zu vergleichsweise hohen Zinsen (aktuell typisch: 10-15 % p. a.). Im Immobilienkontext ist der Dispositionskredit relevant als Warnsignal bei der Bonitätsprüfung für Immobilienfinanzierungen und als teure Zwischenlösung bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen von Eigentümern.
Der Dispositionskredit wird von der Bank auf Basis regelmäßiger Gehaltseingänge eingeräumt - typischerweise in Höhe des zwei- bis dreifachen Nettomonatsgehalts. Wesentliche Merkmale:
Bei der Beantragung einer Baufinanzierung prüfen Banken die Kontoführung der letzten 3-6 Monate. Eine häufige oder dauerhafte Disponutzung wird negativ bewertet:
Was als kurzfristige Überbrückungshilfe gedacht ist, kann zur Dauerlösung werden - mit erheblichen Kosten. Bei einem Dispozins von 12 % p. a. und einem dauerhaft genutzten Limit von 3.000 € entstehen monatlich rund 30 € Zinsen - das sind 360 € im Jahr, ohne dass sich die Schuld reduziert. Wer den Dispo über Jahre nutzt, zahlt faktisch eine unbefristete Gebühr für eine Liquiditätsreserve, die er genauso günstig durch einen Ratenkredit oder ein getrenntes Konto aufbauen könnte. Ein klassisches Umschuldungsbeispiel: 5.000 € Disposchuld zu 12 % p. a. kostet 600 € Zinsen pro Jahr; ein Ratenkredit über 5 Jahre zu 6 % p. a. kostet nur 300 € Zinsen pro Jahr bei gleichzeitig planmäßiger Tilgung.
Wir erleben in der Beratungspraxis regelmäßig, dass Eigentümer kurzfristige Liquiditätsengpässe - etwa eine unerwartete Sonderumlage der WEG oder eine dringende Reparatur am Nürnberger Altbau - über den Dispositionskredit finanzieren. Bei einem Dispozins von 12 % und einer Sonderumlage von 5.000 € kostet das monatlich rund 50 € Zinsen. Deutlich günstiger ist ein Ratenkredit (4-7 % p. a.) oder - bei vermieteten Objekten - ein kurzfristiger Modernisierungskredit über die Hausbank. Wir empfehlen Eigentümern, eine Instandhaltungsrücklage von mindestens 1 € pro m² Wohnfläche monatlich zu bilden, um den Dispositionskredit für Immobilienausgaben gar nicht erst nutzen zu müssen. Bei einem 80-m²-Einfamilienhaus sind das überschaubare 80 € pro Monat - aufgeteilt auf 5 Jahre ergibt das eine Reserve von 4.800 €, die für die meisten unerwarteten Ausgaben ausreicht.
Gelegentliche kurze Disponutzung ist für die meisten Banken kein Ausschlusskriterium. Problematisch wird es bei dauerhafter Ausschöpfung des Dispolimits oder regelmäßiger geduldeter Überziehung - das deutet auf eine angespannte finanzielle Situation hin und wird von Kreditanalysten entsprechend bewertet. In diesem Fall kann die Bank das Finanzierungsvolumen reduzieren, Sicherheitsaufschläge verlangen oder den Kredit ganz ablehnen. Wir empfehlen, den Dispo mindestens drei Monate vor dem Finanzierungsantrag vollständig zurückzuführen und in dieser Zeit eine saubere Kontoführung nachzuweisen. Regelmäßige Gehaltseingänge und kein Minus auf dem Konto sind die stärksten Bonitätssignale für die Bank.
Technisch möglich, aber dringend abzuraten. Die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler) betragen in Bayern ca. 7-9 % des Kaufpreises - bei einer Immobilie für 300.000 € also 21.000-27.000 €. Bei 12 % Dispozins wären das rund 2.500-3.200 € Zinsen pro Jahr, ohne Tilgung. Außerdem signalisiert die Dispo-Finanzierung der Nebenkosten der Bank, dass kein Eigenkapital vorhanden ist - was die Baufinanzierung erheblich erschwert oder sogar verhindert. Die Kaufnebenkosten sollten grundsätzlich aus Eigenkapital finanziert werden; das ist Voraussetzung für vertretbare Kreditkonditionen.
Ein Rahmenkredit (auch: Abrufkredit) ist eine günstigere Alternative zum Dispositionskredit: Die Zinsen liegen typisch bei 5-9 % p. a., also deutlich unter dem Dispozins. Er wird als separates Kreditkonto eingerichtet und kann flexibel in Anspruch genommen werden. Die Rückzahlung erfolgt in vereinbarten Raten, was zu einer planmäßigen Entschuldung führt. Für Eigentümer, die gelegentlich kurzfristigen Finanzierungsbedarf haben - etwa für kleinere Reparaturen am Objekt oder Überbrückung bis zur nächsten Nebenkostenabrechnung - ist ein Rahmenkredit die bessere Wahl gegenüber dem Dispo.
Neben dem Rahmenkredit gibt es für Eigentümer weitere sinnvolle Alternativen. Wer eine vermietete Immobilie besitzt, kann bei der Hausbank einen Modernisierungskredit beantragen: Diese Produkte sind zweckgebunden, haben niedrigere Zinssätze (aktuell oft 4 bis 7 Prozent) und planmäßige Tilgungsraten. Für größere Maßnahmen eignen sich KfW-Sanierungskredite, die bei Energieeffizienzmaßnahmen mit besonders günstigen Konditionen und Tilgungszuschüssen verbunden sind. Eine weitere Option ist die Erhöhung der bestehenden Baufinanzierung (Nachbeleihung), falls noch Beleihungsspielraum besteht - also der aktuelle Marktwert der Immobilie deutlich über der Restschuld liegt. In der Metropolregion Nürnberg, wo Immobilienwerte in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind, ist diese Option für viele Eigentümer interessanter geworden. Wer 2015 für 250.000 Euro gekauft hat und heute einen Marktwert von 420.000 Euro vorfindet, kann diesen Wertzuwachs als Sicherheit für eine günstige Zusatzfinanzierung nutzen - statt den Dispo zu belasten.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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