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Qualitätssiegel

Fachbegriff aus dem Bereich Bautechnik & Sanierung

Qualitätssiegel im Immobilienbereich sind Zertifikate oder Auszeichnungen, die bestätigen, dass ein Gebäude, ein Bauprodukt oder eine Dienstleistung bestimmte definierte Anforderungen an Qualität, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit oder Sicherheit erfüllt. Sie werden von unabhängigen Stellen vergeben und sollen Käufern, Mietern und Investoren eine schnelle Orientierung über den Qualitätsstand einer Immobilie bieten. Bekannte Qualitätssiegel im deutschen Immobilienmarkt sind das DGNB-Zertifikat, das KfW-Energieeffizienzsiegel und das QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude).

Wichtige Qualitätssiegel im deutschen Immobilienmarkt

Das QNG - Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude wurde 2022 vom Bundesbauministerium eingeführt und ist Voraussetzung für den Erhalt bestimmter KfW-Förderprogramme (BEG Wohngebäude Premium). Es bewertet ökologische, soziokulturelle und funktionale Qualität sowie technische und Prozessqualität. Das DGNB-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen bewertet Gebäude ganzheitlich nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Kriterien und wird in den Stufen Bronze, Silber, Gold und Platin vergeben. Das KfW-Energieeffizienzsiegel bescheinigt, dass ein Gebäude die Effizienzhaus-Anforderungen (z. B. KfW 55, KfW 40) in Bezug auf Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust erfüllt.

Bedeutung für Finanzierung und Fördermittel

Qualitätssiegel sind nicht nur Marketinginstrumente, sondern haben direkte finanzielle Konsequenzen. Für die Inanspruchnahme von KfW-Förderprogrammen (Bundesförderung für effiziente Gebäude, BEG) ist der Nachweis eines anerkannten Effizienzstandards und - bei bestimmten Programmstufen - eines QNG-zertifizierten Planers Pflicht. Das Vorhandensein eines Qualitätssiegels kann zudem die Beleihungsbewertung durch Banken positiv beeinflussen und Grundlage für höhere Mieterträge sein, da nachhaltig zertifizierte Gebäude bei Mietern und Käufern zunehmend gefragt sind.

Qualitätssiegel bei Maklern und Verwaltern

Neben Gebäudesiegeln gibt es auch Qualitätssiegel für Immobiliendienstleister. Der IVD (Immobilienverband Deutschland) vergibt Mitgliedsausweise, die die Einhaltung eines Berufskodex und Weiterbildungspflichten bescheinigen. Die DEKRA und der TÜV zertifizieren Immobilienverwaltungen nach Qualitätsmanagementsystemen (z. B. ISO 9001). Solche Dienstleistersiegel sind für Eigentümer ein Hinweis auf professionelle Standards, ersetzen aber keine persönliche Prüfung der Referenzen.

Qualitätssiegel und Mietmarkt

Neben dem Kaufmarkt gewinnen Qualitätssiegel auch im Mietmarkt an Bedeutung. Gewerbliche Mieter - insbesondere Konzerne und internationale Unternehmen - verlangen bei der Anmietung von Büroflächen zunehmend Nachhaltigkeitszertifikate wie DGNB oder BREEAM als Voraussetzung. Das spiegelt interne ESG-Richtlinien (Environmental, Social, Governance) der Unternehmen wider, die eine nachhaltige Gebäudenutzung vorschreiben. Für Eigentümer von Büroimmobilien kann die Zertifizierung daher direkt zur Mietbarkeit und zur Mietpreiserzielung beitragen. Im Wohnbereich ist der Effekt bisher schwächer, nimmt aber mit wachsendem Umweltbewusstsein der Mieter zu.

Praxis-Tipp für Eigentümer in Nürnberg und Franken

Wer in Nürnberg ein energieeffizientes Gebäude plant oder saniert, sollte frühzeitig klären, welche Qualitätssiegel für die geplanten Förderprogramme erforderlich sind. Ein Energieeffizienz-Experte aus der dena-Expertenliste begleitet das Projekt und stellt sicher, dass alle Anforderungen für das gewünschte Siegel erfüllt werden. In der Metropolregion Nürnberg gibt es zahlreiche zertifizierte Energieberater, die Erfahrung mit dem QNG-Siegelprozess und den KfW-BEG-Programmen haben.

Wir unterstützen Sie dabei, die richtigen Fachleute zu finden und das Potenzial einer Zertifizierung für Ihren konkreten Verkaufs- oder Vermarktungsfall einzuschätzen. Nicht jedes Objekt benötigt ein Qualitätssiegel - wir helfen Ihnen zu beurteilen, wann der Aufwand einer Zertifizierung durch höhere Verkaufspreise, bessere Finanzierungskonditionen oder eine gesteigerte Vermarktungsgeschwindigkeit gerechtfertigt ist.

Internationale Siegel: BREEAM und LEED

Neben den deutschen Zertifizierungssystemen spielen im Gewerbeimmobilienbereich auch internationale Siegel eine wachsende Rolle. BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) ist das älteste und in Europa am weitesten verbreitete Nachhaltigkeitszertifikat, entwickelt im Vereinigten Königreich. LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) ist das weltweit verbreitetste System, ursprünglich aus den USA. Beide Systeme werden von multinationalen Unternehmen als Voraussetzung bei der Büroflächensuche genutzt und sind daher für Eigentümer von Gewerbeimmobilien in deutschen Großstädten zunehmend relevant. Für den deutschen Wohnungsbau haben DGNB und QNG eine deutlich höhere Bedeutung als BREEAM oder LEED.

Qualitätssiegel und Wiederverkaufswert

Ein Qualitätssiegel kann den Wiederverkaufswert einer Immobilie langfristig stützen. Zertifizierte Gebäude sind in der Regel besser dokumentiert, was Käufern und deren Finanzierern Sicherheit gibt. Außerdem signalisiert das Siegel, dass das Gebäude nach anerkannten Standards gebaut oder saniert wurde - ein Vorteil gegenüber nicht zertifizierten Vergleichsobjekten, wenn künftige Käufer die Nachhaltigkeitsqualität zunehmend in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. In einem Marktumfeld, in dem die EU-Taxonomie und das GEG die Anforderungen an Bestandsgebäude schrittweise verschärfen, bieten zertifizierte Gebäude einen klaren Vorteil: Sie erfüllen bereits heute Anforderungen, die morgen für alle gelten werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Qualitätssiegel Pflicht beim Immobilienverkauf?

Nein, kein Qualitätssiegel ist beim Verkauf gesetzlich vorgeschrieben. Ein Energieausweis hingegen muss bei Verkauf und Vermietung vorliegen und den Interessenten unaufgefordert vorgelegt werden. Qualitätssiegel sind freiwillig, können aber den Wert und die Vermarktbarkeit einer Immobilie steigern.

Wie lange ist ein DGNB-Zertifikat gültig?

Das DGNB-Zertifikat ist zunächst für drei Jahre gültig und kann danach durch Rezertifizierung verlängert werden. Bei der Rezertifizierung wird geprüft, ob das Gebäude weiterhin die Anforderungen erfüllt und ob Verbesserungen vorgenommen wurden.

Was kostet die Beantragung eines QNG-Siegels?

Die Kosten für das QNG hängen von der Gebäudegröße und dem beauftragten Zertifizierungsstellen-Partner ab. Für ein Einfamilienhaus sind typischerweise 2.000 bis 5.000 Euro für die Zertifizierungsleistungen zu veranschlagen, zuzüglich der Planungskosten des Energieeffizienz-Experten. Diese Kosten werden durch die höheren KfW-Förderzuschüsse beim QNG-Premium-Programm in vielen Fällen mehr als kompensiert.

Können Bestandsgebäude nachträglich zertifiziert werden?

Ja, sowohl DGNB als auch BREEAM bieten Zertifizierungspfade für Bestandsgebäude an (DGNB „In Use”, BREEAM „In-Use”). Das QNG ist dagegen primär auf Neubauten und umfassende Sanierungen ausgerichtet. Eine nachträgliche Zertifizierung setzt voraus, dass das Gebäude bestimmte Mindeststandards in Energieeffizienz, Innenraumluftqualität und Barrierefreiheit erfüllt. Der Aufwand lohnt sich vor allem dann, wenn ein Gewerbegebäude für bonitätsstarke Mieter mit ESG-Anforderungen attraktiver gemacht werden soll.

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