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Nachhaltigkeitszertifikat - Ein Nachhaltigkeitszertifikat ist ein Gütesiegel, das die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Qualität eines Gebäudes bewertet und dokumentiert. Die bekanntesten Zertifizierungssysteme in Deutschland sind DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes), LEED (Leadership in Energy and Environmental Design, US-System) und BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method, UK-System).
Nachhaltigkeitszertifikate bewerten ein Gebäude in mehreren Dimensionen: Ökologie (Energieeffizienz, CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Recyclingfähigkeit), Ökonomie (Lebenszykluskosten, Wertstabilität, Drittverwendungsfähigkeit), Soziokulturelle Qualität (Nutzerkomfort, Barrierefreiheit, Innenraumluftqualität), Technik (Brandschutz, Schallschutz, Rückbaubarkeit) und Standortqualität (Verkehrsanbindung, Nahversorgung, Mikroklima). Die Bewertung erfolgt anhand eines Punktesystems - je nach erreichter Punktzahl wird ein Zertifikat in Bronze, Silber, Gold oder Platin vergeben.
Die Kriterien gehen deutlich über den reinen Energieverbrauch hinaus. Das DGNB-System bewertet beispielsweise auch, ob ein Gebäude nach Ende der ersten Nutzungsdauer umgenutzt werden kann (Drittverwendungsfähigkeit), ob schadstofffreie Baustoffe eingesetzt wurden und ob die sozialen Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt wurden. Diese ganzheitliche Bewertung macht Nachhaltigkeitszertifikate zu verlässlicheren Qualitätsnachweisen als einfache Energiekennzahlen.
Zertifizierte Gebäude erzielen am Markt nachweislich höhere Kaufpreise und Mieten - Studien zeigen Aufschläge von 5-15 % gegenüber nicht-zertifizierten Vergleichsobjekten. Darüber hinaus profitieren zertifizierte Gebäude von besserer Finanzierbarkeit (günstigere „Green Loans”), niedrigeren Betriebskosten und geringerem Leerstandsrisiko.
Für institutionelle Investoren sind Nachhaltigkeitszertifikate zunehmend ein Pflichtkriterium bei Ankaufsentscheidungen (ESG-Compliance). Pensionsfonds, Versicherungen und offene Immobilienfonds sind durch die EU-Offenlegungsverordnung verpflichtet, die Nachhaltigkeitsqualität ihrer Immobilienportfolios zu berichten - und kaufen deshalb bevorzugt oder ausschließlich zertifizierte Objekte.
Eine Nachhaltigkeitszertifizierung nach DGNB beginnt typischerweise bereits in der Planungsphase. Ein zugelassener DGNB-Auditor begleitet das Projekt von Beginn an, dokumentiert die relevanten Planungs- und Bauentscheidungen und prüft, ob die gestellten Kriterien erfüllt werden. Am Ende der Bauphase findet eine Inspektion statt, die Dokumentation wird eingereicht, und die DGNB vergibt das Zertifikat. Wer den Prozess erst nach Fertigstellung startet, muss mit erheblichem Mehraufwand rechnen, weil viele Nachweise nachträglich beschafft oder rekonstruiert werden müssen.
Für Bauherren bedeutet das konkret: Den Auditor nicht als Kostenfaktor sehen, sondern als Qualitätssicherung. Ein erfahrener DGNB-Auditor erkennt bereits in frühen Planungsphasen, welche Materialien oder Konstruktionslösungen Punkte kosten - und kann so gezielt steuern, welche Maßnahmen den größten Nutzen für die Zertifizierungsstufe bringen. Oft lässt sich mit vergleichsweise kleinen Planungsentscheidungen die Sprungmarke von Silber auf Gold erreichen, was am Markt einen spürbaren Preisunterschied bedeutet.
Für Privatpersonen besonders relevant ist das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG), das vom Bundesministerium für Wohnen eingeführt wurde. Das QNG-Siegel ist seit 2023 Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Sonder-AfA nach § 7b EStG - also der erhöhten Abschreibung für Neubauinvestoren. Wer in eine neue Mietwohnung investiert und die steuerlichen Sonderabschreibungen nutzen möchte, muss das QNG-Siegel vorlegen. Das macht das Nachhaltigkeitszertifikat erstmals für einen breiten Kreis privater Immobilieninvestoren wirtschaftlich bedeutsam.
Wir empfehlen Bauherren und Projektentwicklern in der Metropolregion Nürnberg, eine Nachhaltigkeitszertifizierung bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen - nachträgliche Zertifizierungen sind aufwendiger und teurer. Das DGNB-System ist in Deutschland am weitesten verbreitet und bietet Zertifizierungen für Neubauten, Bestandsgebäude und Sanierungen.
Die Zertifizierungskosten (ca. 15.000-50.000 Euro für ein Wohngebäude) amortisieren sich durch höhere Verkaufspreise und günstigere Finanzierungskonditionen. Für Projekte, die die Sonder-AfA nach § 7b EStG nutzen möchten, ist das QNG-Siegel ohnehin Pflicht. Wir arbeiten mit Planern und Zertifizierungsberatern zusammen, die bereits Projekte in der Metropolregion durch den DGNB-Prozess begleitet haben.
Nein. Der Energieausweis (nach GEG) ist gesetzlich vorgeschrieben und bewertet ausschließlich die Energieeffizienz. Ein Nachhaltigkeitszertifikat ist freiwillig und umfasst deutlich mehr Bewertungskriterien als nur den Energieverbrauch. Beides kann nebeneinander existieren, ersetzt sich aber nicht gegenseitig.
Ja. Die DGNB bietet ein eigenes Zertifizierungssystem für Bestandsgebäude und Sanierungen an. Die Anforderungen unterscheiden sich von Neubauzertifizierungen und berücksichtigen den bestehenden Gebäudezustand. Auch eine schrittweise Annäherung an ein Zertifikat ist möglich.
Für Wohn- und Gewerbeimmobilien in Deutschland empfehlen wir das DGNB-System - es ist am besten auf den deutschen Markt zugeschnitten und wird von Banken, Investoren und Förderprogrammen anerkannt. LEED und BREEAM sind vor allem bei international ausgerichteten Investoren und Gewerbeimmobilien verbreitet.
Die Kosten richten sich nach Gebäudegröße und Komplexität. Für ein Wohngebäude mit 10-20 Einheiten sind 15.000-40.000 Euro realistisch. Hinzu kommen die Kosten für den DGNB-Auditor (häufig ein Architekt oder Energieberater mit Zusatzqualifikation), der die Dokumentation erstellt. Bei Neubauprojekten, die ohnehin einen Energieberater einsetzen, ist der Mehraufwand für die Zertifizierung geringer als bei nachträglichen Zertifizierungen.
Für selbst genutztes Wohneigentum ist ein Nachhaltigkeitszertifikat in der Regel nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn ein konkreter Anlass besteht - etwa die geplante Nutzung der Sonder-AfA nach § 7b EStG (erfordert QNG-Siegel), ein Wiederverkauf an institutionelle oder qualitätsbewusste private Käufer oder eine Refinanzierung über einen „Green Loan” mit günstigeren Konditionen. Für private Eigennutzer ohne diese Planungsziele überwiegen die Zertifizierungskosten häufig den messbaren Vorteil. Sinnvoller ist für viele Eigennutzer der Energieausweis nach GEG, der kostengünstiger zu beschaffen ist und für Verkauf oder Vermietung ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist.
Im Gewerbeimmobilienmarkt der Metropolregion Nürnberg spielen Nachhaltigkeitszertifikate eine zunehmend entscheidende Rolle. Büroflächen und Logistikimmobilien ohne DGNB- oder BREEAM-Zertifizierung werden von großen Unternehmensnutzern (Corporate Tenants mit ESG-Berichtspflichten) zunehmend gemieden. Für Entwickler und Bestandshalter von Nürnberger Büro- und Gewerbeimmobilien bedeutet das: Zertifizierung ist nicht mehr nur ein Marketing-Argument, sondern ein Vermietungsfaktor. Mehrere Neubauprojekte im Nürnberger Süden und rund um den Hauptbahnhof wurden ab 2024 mit DGNB-Zertifizierung vermarktet, um institutionelle Nutzer und Mieter mit CSR-Anforderungen anzusprechen. Für Eigentümer älterer Gewerbeimmobilien kann die nachträgliche Zertifizierung auf Basis des DGNB-Bestandsgebäude-Systems eine lohnende Investition sein, um im Wettbewerb um qualitätsbewusste Mieter konkurrenzfähig zu bleiben.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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