Zum Inhalt springen
my-home.de

Elektroinstallation

Fachbegriff aus dem Bereich Bautechnik & Sanierung

Elektroinstallation - Die Elektroinstallation umfasst die gesamte elektrische Anlage eines Gebäudes, von der Hausanschlussleitung über die Verteilung und Absicherung bis hin zu den einzelnen Stromkreisen, Schaltern und Steckdosen. Bei Immobilientransaktionen ist der Zustand der Elektroinstallation ein wesentlicher Wertfaktor, da veraltete Anlagen erhebliche Sicherheitsrisiken bergen und hohe Erneuerungskosten verursachen.

Normative Anforderungen und Altbau-Problematik

Die elektrotechnischen Anforderungen an Gebäudeinstallationen sind in der Normenreihe DIN VDE 0100 geregelt. Diese legt Mindeststandards für den Schutz gegen elektrischen Schlag, Überstromschutz, Leitungsdimensionierung und die Anzahl der Stromkreise fest. Ergänzend definiert die DIN 18015 die Ausstattungswerte für elektrische Anlagen in Wohngebäuden und unterscheidet drei Stufen: die Mindestausstattung, die Standardausstattung und die Komfortausstattung.

Bei Bestandsgebäuden, die vor 1970 errichtet wurden, entsprechen die Elektroinstallationen häufig nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Typische Mängel sind Nullungsanlagen (klassische Nullung TN-C), bei denen Schutzleiter und Neutralleiter zusammengeführt sind und kein separater Schutzleiter an den Steckdosen vorhanden ist. Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter, RCD) fehlen in vielen Altbauten vollständig, obwohl sie nach aktueller Norm für alle Steckdosenstromkreise vorgeschrieben sind. Weitere häufige Defizite sind eine unzureichende Absicherung mit zu wenigen Stromkreisen, veraltete Schmelzsicherungen statt Leitungsschutzschalter, Aluminiumleitungen mit brüchiger Isolation sowie Verteilerdosen ohne ordnungsgemäße Klemmverbindungen.

Diese Mängel sind nicht nur normativ problematisch, sondern stellen ein reales Sicherheitsrisiko dar. Nach Angaben des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) ist ein erheblicher Anteil aller Wohnungsbrände auf defekte oder überlastete Elektroinstallationen zurückzuführen. Vermieter sind nach der Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet, die elektrische Anlage in einem sicheren Zustand zu halten. Ein E-Check - die normgerechte Prüfung der gesamten Elektroinstallation durch einen zugelassenen Elektrofachbetrieb nach VDE-Vorgaben - gibt Aufschluss über den Zustand der Anlage und dokumentiert Mängel systematisch.

Elektroinstallation - Ausstattungsstufen nach DIN 18015

AusstattungsstufeSteckdosen je WohnraumBesonderheitenEignung
Mindestausstattung3-5Kein Dimmer, kein LANBasis-Standard, Altbau
Standardausstattung6-8FI-Schalter, getrennte StromkreiseZeitgemäße Wohnqualität
Komfortausstattung9+Busanlage, Smart Home, Dimmer, LANNeubau, Hochwertsanierung

Kosten und Umfang einer Erneuerung

Die Kompletterneuerung einer Elektroinstallation gehört zu den kostenintensivsten Sanierungsmaßnahmen bei Bestandsgebäuden. Die Kosten liegen bei einer vollständigen Neuinstallation einschließlich neuer Leitungen, Unterverteilung, Steckdosen und Schalter typischerweise zwischen 80 und 120 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern ergibt sich damit ein Kostenrahmen von rund 11.000 bis 17.000 Euro, bei einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohneinheiten entsprechend mehr.

In den Kosten enthalten sind in der Regel die neue Zähleranlage, eine normgerechte Unterverteilung mit Leitungsschutzschaltern und FI-Schutzschaltern, die Neuverkabelung aller Stromkreise mit ausreichendem Querschnitt, zeitgemäße Steckdosen- und Schalterausstattung sowie der Potentialausgleich. Zusätzliche Kosten entstehen für die Wiederherstellung von Putz und Wandoberflächen nach dem Schlitzen, weshalb eine Elektrosanierung idealerweise mit anderen Sanierungsmaßnahmen koordiniert wird.

Praxis-Tipp für Nürnberg und Franken

In der Metropolregion Nürnberg finden wir einen erheblichen Anteil von Wohngebäuden aus der Wiederaufbauzeit der 1950er und 1960er Jahre, deren Elektroinstallationen dringend erneuerungsbedürftig sind. Besonders in den Nürnberger Stadtteilen Gostenhof, Steinbühl und St. Johannis sowie in älteren Wohnanlagen in Fürth und Erlangen treffen wir regelmäßig auf Installationen mit klassischer Nullung und fehlenden FI-Schaltern. Wir empfehlen Kaufinteressenten, vor dem Erwerb einer Bestandsimmobilie einen E-Check durch einen zugelassenen Elektrofachbetrieb durchführen zu lassen. Die Kosten liegen für eine Wohneinheit bei etwa 150 bis 300 Euro und liefern eine belastbare Grundlage für die Kalkulation der Sanierungskosten. Bei Eigentumswohnungen sollte zusätzlich geklärt werden, ob die Gemeinschaftsanlage (Steigleitungen, Hauptverteilung, Treppenhausbeleuchtung) dem aktuellen Stand der Technik entspricht, da eine Erneuerung über die WEG-Gemeinschaft beschlossen und finanziert werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein E-Check bei Vermietung Pflicht?

Eine gesetzliche Pflicht zur regelmäßigen Durchführung eines E-Checks besteht in Deutschland nicht. Allerdings ist der Vermieter nach der Betriebssicherheitsverordnung und dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtet, die Mietsache in einem verkehrssicheren Zustand zu halten - und dazu gehört eine funktionierende und sichere Elektroinstallation. Bei einem Schadensfall kann der Vermieter haftbar gemacht werden, wenn die Anlage erkennbar mangelhaft war. Wir empfehlen Vermietern, alle vier Jahre einen E-Check durchführen zu lassen und das Prüfprotokoll zu archivieren.

Muss eine alte Elektroinstallation bei Eigentümerwechsel erneuert werden?

Es besteht keine generelle Pflicht zur Erneuerung der Elektroinstallation bei einem Eigentümerwechsel. Bestandsschutz bedeutet, dass eine Anlage, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damaligen Normen entsprach, weiterbetrieben werden darf. Der Bestandsschutz entfällt jedoch bei wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen der Anlage. Wir empfehlen dennoch, bei Gebäuden mit Installationen vor 1970 die Erneuerungskosten in die Kaufpreiskalkulation einzubeziehen, da eine Nachrüstung mittelfristig unumgänglich wird.

Welche Anzeichen deuten auf eine veraltete Elektroinstallation hin?

Eindeutige Hinweise sind Schmelzsicherungen statt Leitungsschutzschalter im Sicherungskasten, fehlende FI-Schutzschalter, Steckdosen ohne Schutzkontakt (zweipolig), Stoffummantelung oder brüchige Gummiisolierung an sichtbaren Leitungen sowie flackerndes Licht oder herausspringende Sicherungen bei normaler Nutzung. Auch eine geringe Anzahl von Steckdosen pro Raum und das Fehlen separater Stromkreise für Großgeräte wie Herd, Waschmaschine und Trockner weisen auf eine nicht mehr zeitgemäße Installation hin.

Was kostet die Nachrüstung einer Wallbox und welche Anforderungen gelten an die Elektroinstallation?

Eine Wallbox für Elektrofahrzeuge (Ladeleistung 11 kW) erfordert einen eigenen Stromkreis mit 16 A Absicherung und einer ausreichend dimensionierten Zuleitung vom Hausanschluss. Ältere Elektroinstallationen in Nürnberger Bestandsgebäuden aus den 1960er oder 1970er Jahren haben häufig weder die nötige Leitungskapazität noch einen freien Platz im Sicherungskasten für einen zusätzlichen Stromkreis. Die Nachrüstungskosten für eine Wallbox inklusive der notwendigen Elektroarbeiten liegen je nach Bestandsanlage zwischen 800 und 3.000 Euro - bei umfangreicher Erneuerung der Zuleitung auch mehr. Im Rahmen des KfW-Programms 442 (Ladestationen für Elektrofahrzeuge) können private Eigentümer und WEGs Zuschüsse für die Installation erhalten, sofern gleichzeitig Photovoltaik oder eine Steuerung der Ladeanlage vorgesehen ist. Eigentumswohnungen in WEGs benötigen für die Installation einer Wallbox in der Tiefgarage einen Beschluss der Eigentümerversammlung - seit der WEG-Reform 2020 haben einzelne Eigentümer jedoch einen Anspruch auf Gestattung.

Zurück zum Immobilien-Lexikon.

Sie möchten den Wert Ihrer Immobilie wissen?

Ermitteln Sie in 2 Minuten den realen Marktwert - kostenfrei und unverbindlich.

Fachlich geprüft von der myhome-Redaktion

Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026

FOCUS Online Medien-Partner 2026

Wichtiger Hinweis zum Haftungsausschluss

Die in diesem Immobilien-Lexikon enthaltenen Informationen, Einschätzungen und rechtlichen Hinweise dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Trotz sorgfältigster Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Aufgrund der Komplexität der Materie empfehlen wir ausdrücklich, bei konkreten Vorhaben einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzuzuziehen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vermittlung eines passenden Fachberaters aus unserem regionalen Netzwerk.

Was ist Ihre Immobilie wert?

Erhalten Sie eine kostenfreie und unverbindliche Einschätzung - persönlich oder online.

Wir sind dort, wo Ihre Immobilie ist - in der gesamten Metropolregion

Kontaktaufnahme

Um Ihnen maximale Geschwindigkeit bei der Wertermittlung und Vermarktung zu garantieren, haben wir unsere Prozesse voll digitalisiert. Wir beraten Sie exklusiv und persönlich per Telefon oder Video-Call. Besichtigungstermine und Vor-Ort-Termine an Ihrer Immobilie finden selbstverständlich weiterhin persönlich statt. Besuche in unserer Zentrale in der Weißenburger Str. nur nach vorheriger Terminvereinbarung.

Schreiben Sie uns

Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.