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Bauart - Die Bauart beschreibt die konstruktive Ausführung eines Gebäudes hinsichtlich der verwendeten Baustoffe und der Tragwerkskonstruktion. In der Immobilienbewertung und Gebäudeversicherung wird zwischen massiver Bauart (Mauerwerk, Stahlbeton) und nicht-massiver Bauart (Holzbau, Fachwerk, Fertigbau) unterschieden. Die Bauart beeinflusst den Versicherungsbeitrag, die Lebensdauer, den Schallschutz und die energetische Qualität des Gebäudes.
Die gängigste Unterscheidung in der Versicherungs- und Bewertungspraxis:
Die Bauart ist ein zentrales Tarifmerkmal der Wohngebäudeversicherung: Massiv gebaute Häuser mit harter Dacheindeckung (Bauartklasse I) erhalten die günstigsten Prämien, da sie ein geringeres Brand- und Sturmrisiko aufweisen. Fachwerkhäuser oder Gebäude mit weicher Dacheindeckung (Reet, Holzschindeln) werden höher tarifiert.
In der Immobilienbewertung bestimmt die Bauart die anzusetzenden Normalherstellungskosten (NHK) und die Restnutzungsdauer. Massivbauten werden mit einer wirtschaftlichen Gesamtnutzungsdauer von 60-80 Jahren angesetzt, Fertighäuser älterer Bauart mit 40-60 Jahren. Diese Differenz wirkt sich unmittelbar auf den Sachwert aus: Ein 30 Jahre altes Fertighaus hat eine deutlich höhere Alterswertminderung als ein gleichaltriger Massivbau, was bei Verkauf und Finanzierung zu schlechteren Konditionen führen kann.
Für Banken ist die Bauart ebenfalls relevant: Sie fließt in die Beleihungswertermittlung ein, da sie die erwartete Lebensdauer der Immobilie bestimmt. Ein gut erhaltenes Massivhaus kann langfristig als Sicherheit dienen, während ein älteres Fertighaus mit geringer Restnutzungsdauer nur eingeschränkt beleihungsfähig ist.
Die Bauart bestimmt maßgeblich die Möglichkeiten und Kosten einer energetischen Sanierung. Bei massiven Außenwänden aus Ziegel oder Beton lassen sich Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) vergleichsweise einfach aufbringen. Bei zweischaligem Mauerwerk ist eine Hohlraumdämmung möglich. Stahlbeton-Skelettbauten erfordern oft aufwändigere Lösungen.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt bauartunabhängig Mindestanforderungen an den Wärmeschutz. Wer eine Immobilie grundlegend saniert, muss unabhängig von der Bauart bestimmte U-Werte für Außenwände, Dach und Fenster einhalten. Bei Gebäuden mit weichen Dacheindeckungen oder Holzkonstruktionen ist dabei besonders auf den Feuchteschutz zu achten, da Innendämmungen Tauwasserprobleme verursachen können.
In Nürnberg finden sich aufgrund der Stadtgeschichte vielfältige Bauarten nebeneinander - von Fachwerkhäusern in der Altstadt über Sandsteingebäude des 19. Jahrhunderts bis hin zu Nachkriegs-Massivbauten und modernen Fertighäusern im Umland. In Stadtteilen wie Zirndorf, Stein oder Schwabach dominieren Massivbauten aus den 1960er bis 1980er Jahren, die energetisch oft noch großes Potenzial bieten.
Wir empfehlen Eigentümern, die Bauart bei ihrer Gebäudeversicherung korrekt anzugeben - eine falsche Einstufung kann im Schadenfall zur Leistungsverweigerung führen. Bei historischen Gebäuden in Stadtteilen wie St. Sebald oder St. Lorenz sollte die Bauart zusätzlich bei jeder Modernisierung berücksichtigt werden, da Denkmalschutzauflagen bestimmte Eingriffe in die Bausubstanz einschränken können. Lassen Sie die Bauart im Zweifel von einem Sachverständigen bestimmen und dokumentieren Sie sie für zukünftige Sanierungsplanung, Finanzierungen und Verkaufsunterlagen.
Die Bauart geht aus der Baubeschreibung, dem Bauantrag oder den Bauzeichnungen hervor. Bei Bestandsimmobilien ohne Unterlagen kann ein Bausachverständiger die Konstruktion anhand der Wandstärke, des Klopftests und der sichtbaren Bausubstanz bestimmen. Auch der Energieausweis enthält Angaben zur Gebäudekonstruktion. Bei unklarer Lage empfehlen wir, beim Bauordnungsamt Einsicht in die Bauakte zu nehmen - dort ist die ursprüngliche Baubeschreibung hinterlegt. Die Kosten für eine sachverständige Einschätzung liegen bei 200-400 Euro und sind gut investiert, bevor die Gebäudeversicherung abgeschlossen oder ein Baudarlehen beantragt wird.
Ja, erheblich. Massivbauten können oft mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) nachgerüstet werden. Bei Fachwerkhäusern ist eine Außendämmung aus Denkmalschutzgründen häufig nicht möglich - hier kommen Innendämmung oder Einblasdämmung in Betracht, die sorgfältig geplant werden müssen, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. Holzständerbauten bieten durch ihre Konstruktion in den Gefachen oft bereits Raum für Dämmung, was Nachrüstungen erleichtert. Die BEG-Förderung (Bundesförderung Effiziente Gebäude) unterstützt bauartübergreifend energetische Sanierungsmaßnahmen mit Zuschüssen von bis zu 20 %.
Die Bauart beeinflusst den Wert indirekt über Restnutzungsdauer, Instandhaltungskosten und Marktakzeptanz. Massivhäuser erzielen in der Regel höhere Preise als vergleichbare Fertighäuser gleichen Alters, da Käufer ihnen eine längere Lebensdauer und geringere Unterhaltskosten zuschreiben. Bei hochwertigen modernen Holz-Fertighäusern hat sich dieser Abstand in den letzten Jahren allerdings deutlich verringert - insbesondere wenn diese KfW-Effizienzhaus-Standards erreichen und mit modernen Haustechnikanlagen ausgestattet sind.
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Immobilienfachleute · Nürnberg · Aktualisiert 2026
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